Engel im Mixed-Print war das Thema der letzten Postkunst Aktion des Jahres 2025. In letzter Zeit habe ich vermehrt die ersten Skizzen, Gedanken und Hinweise für eine Postkunst Aktion in mein Skizzenbuch gesetzt. Das mag auch daran liegen, dass ich neulich diverse Stapel mit Versuchen, Skizzen und Experimenten aus vielen Aktionen, als lose Sammlung wild auf meinem Tisch zusammengetragen hatte. In einem Skizzenbuch ist es gleich gut aufgehoben.
So entstanden meine KleEngel und TabEngel
Recht früh begann ich die Engel von Paul Klee nachzufühlen – ein guter Einstieg in das Thema. Mit Pinsel und Aquarellfarbe zeichnete ich locker die grafischen, minimalistischen und kecken Linien-Wesen nach. Ich mochte Klee schon immer, besonders auch seine Techniken und sein Duktus, seine Farbgestaltungen und seine Fähigkeit so viel zu bewegen mit seinen Strichen. Meine inneren Augen sehen mit.
Im Netz entdeckte ich die geschriebenen Muster von Klee. Und da ist mir aufgefallen, dass er sich auch eine Lineatur gestaltet hat, als Grundlage. Kommt mit sehr vertraut vor.
Engel im Mixed-Print ist mein erstes Projekt in der fünf
Kaum zu glauben, fast zwei Monate später fand ich erst wieder zurück zu den Engeln. Was hauptsächlich an meinen vollen To-do-Listen lag – im November fand die Eröffnung der fünf statt. Nach der ersten großen Aktion in der fünf baute ich mir meinen Arbeitstisch auf und richtete mir eine Atelierecke ein. Das war ein schönes Gefühl! So viel Platz und Licht! Nach all den Monaten saß ich endlich mal allein und mit etwas Ruhe und Zeit in der fünf. Raum, um Reflexionen und den Lauf der Sonne wahrzunehmen, das rege Leben vor dem Schaufenster und … oh Schreck, mein Skizzenbuch ist fast voll!
Inspiriert von Klees freien Strichwesen und einer alten Insekten-Druckplatte (die ich beim Aufräumen wiederentdeckte) füllte ich die erste Seite im Skizzenbuch mit eigenen Kreaturen. Zwischen den Strichtänzen ohne komplizierte Konzepte, eher ein automatisches Zeichnen, tummeln sich bereits die Figuren, die ich dann später auch druckte. Also hätte ich an dieser Stelle aufhören können …
Kleines Experiment mit Milchtüte und Tiefdruckpresse
Obwohl mir die Skizzen schon gut gefielen, musste ich das Fundstück mit Insekt auf Milchtüte probedrucken. Ich habe keine Erinnerung daran, wann ich das Insekt wo und warum gestaltet hatte. Mit meiner umfunktionierten Tiefdruckpresse versuchte ich mein Glück. Allerdings war die Milchtüte wohl schon etwas zernudelt, in Serie kann ich mit dem Insekt nicht mehr gehen. Ich liebe Milchtüten-Tiefdruck, mein Bauchgefühl war jedoch nicht zufrieden. Die lebendigen Zeichnungen aus meinem Skizzenbuch wollte ich nicht steif nach Vorlage drucken. Wie könnte ich druckend zeichnen und lauter Unikate schaffen?
Vertiefende Skizzen – Motivfindung in Serie
Druckreif waren meine Entwürfe noch nicht, daher griff ich diesmal zu Pinsel und Aquarellfarbe und suchte mir Engel aus meinem ersten Versuch heraus und stellte sie einzeln in Variationen dar. In der Wiederholung fand ich meine Engelwesen, die sich für den Druck eigneten.
Ton-in-Ton ist eine Kombi, zu der ich immer wieder gern greife, wenn ich mich harmonisch meinem Ziel nähern möchte. Wenn ich noch nicht genau weiß, in welche Richtung es geht, ich aber den Weg trotzdem schon mal beschreiten möchte. Also pinselte ich lauter kleine Schaufenster auf die Seite und füllte sie nach dem Trocknen mit Pinselstrichwesen.
Konzept einer bestäubten Annäherung
Ich war zufrieden mit der Anmut der insektualen Lumenhaftigkeit meiner Engelwesen. Mischwesen und Vermittlerinnen zwischen meinem Gedankengarten und der irdischen Botanik. Die Insektenengel sind besonders in der Nähe von Pollinaria zu finden, erklärt sich von selbst! Weiter nach Figuren suchen wollte ich nicht, fühlte mich angekommen. Nun näherte ich mich der Drucktechnik an ….
Glasscheibendruck Farbfindung und Flimmern
Ich trug meine Drucksachen vom Tatelier in die fünf. Zwei Werkstätten zu haben ist toll. Für den Anfang allerdings weiß man nie, welches Werkzeug/Papier/Farbe/etc. an welchem Ort ist. Gefühlt, ist die eine oder andere spezielle Sache nie in dem Raum, in dem man gerade ist.
Die Drucktechnik war eigentlich von Anfang an klar. Paul Klee hat sie gern angewandt. Und ich liebe sie noch mehr, als den Milchtütendruck. Also begann ich die ersten Versuche direkt von der Glasscheibe zu drucken. Weiß stellte sich als sehr ungünstig heraus, die Linoldruckfarbe war zu dünnflüssig. Föhnen und Warten schien mir zu müßig bei einer Auflage von mindestens 30 Stück.
Mit dunkleren Tönen erzielte ich die besseren Ergebnisse, schließlich wechselte ich zu einer zähen Buchdruckfarbe, die hervorragend schmatzte und majestätisch Blau leuchtete. Ich brauchte eine Weile, um die perfekte Farbbeschichtung der Scheibe herauszufinden. Die Probedrucke sind teilweise etwas ungenau und verrauscht, gefallen mir trotzdem sehr gut. Vermutlich spielt das Motiv positiv mit, denn ein Engel muss nicht gestochen scharf erscheinen. Flimmern sie nicht eher? Heißt es nicht so?
Monoprint-Technik für Unikate in Serie
Das Schöne am Glasscheibendruck ist, dass die Druckplatte mit der Zeit immer schöner und vielschichtiger wird. Um meine Engel in Serie zu drucken, habe ich allerdings nur eine kleine Ecke unten rechts auf dem Glas eingewalzt. Nach jedem Druck habe ich die entstandenen Lücken wieder eingewalzt, damit die 24 Drucke die besten Voraussetzungen hatten. Das hat prima geklappt, es gab keinen Fehldruck und jeder Engel hatte eine persönliche Handschrift.
Während des Gestaltens der ATC Engel-Karten, träumte ich vom dritten Tisch, den wir uns unbedingt in naher Zukunft anschaffen müssen. Das Format war ja sehr klein, aber mit allem drum und dran und Sonderdrucke, wurde es dann doch eng mit der Zeit.
Für meine 24er-Serie grundierte ich Aquarellpapiere auf der Gelliplate mit Wischeffekten in Lilatönen. Mehrfach verdichtete ich die Grundmuster und druckte so lange, bis ich zufrieden war. Der Hintergrund sollte hell und nicht zu unruhig sein.
Die Scheibe hatte ich dünn und gleichmäßig mit Buchdruckfarbe eingewalzt. Das Papier lag mit dem Gesicht nach unten auf der Farbschicht. Mit einer Ahle habe ich dann das Motiv auf die Rückseite gezeichnet. Die Rillen, die die Ahle hinterließ, bildeten eine Art Blindzeichnung auf der Rückseite.
Die Grundierten ATCs erhielten vor dem Druck noch je drei goldene Lumen für das Innerste meines Insekten-Engels. Mit goldener Tusche zeichnete ich die Kugeln und hoffte auf schöne Versatzdrucke.
Das Papier zeichnet mit
Das Aquarellpapier lieferte eine eigene Struktur, die die Buchdruckfarbe einlud, unregelmäßige Streumuster mitzudrucken. Kleine unruhige Monoprint-Punkte entstanden. Besonders an der gezeichneten Linie sammelten sie sich wie ein Raster an. Eine Art Engels-Flimmern.
Feinschliff und Trennungs-Gedanken
Jeder Druck anders und doch alle gleich. Wie immer kann ich mir das gerahmt als Serie wunderbar vorstellen. Ein Traum, den ich seit einigen Jahren in jedem Dezember habe. Am Ende werden die Werke jedoch signiert, nummeriert, verpackt und verschickt. In 23 + x Himmelsrichtungen. Ich nehme mir jedes Mal vor, mir irgendwann (schon sehr bald) selbst eine so große Serie zu gestalten.
Das Drucken war schön. Und ja, ich kann voller Freude das scheinbar immer Gleiche in hoher Auflage zeichnen. Aber die Rückseite … hatte ab einem gewissen Zeitpunkt eine einschläfernde Wirkung auf meine rechte Hand.
Die Wortspiele kommen immer wie von selbst – gesegnet sei mein Name, der sich für allerlei Schabernack eignet. TabEngel nach KleEngel! Als Nummer 19 hatte ich reichlich viel Zeit für diese Aktion und wie ihr am Datum erkennen könnt, gelingt es mir trotzdem immer wieder, erst ein bis zwei Tage vor Liefertermin fertig zu werden. Trotz Weihnachtspostgeschäft sind die geflügelten Wesen pünktlich am 19. Dezember in den Briefkästen der Teilnehmerinnen gelandet.
Sonderpöste als Dankeschön für so viel Post
Für Sonderpöstchen habe ich einige etwas zu unruhig geratene Drucke mit Gold eingewischt und ebenfalls beengelt. Ich habe soooo viele Engelskärtchen von den Teilnehmerinnen erhalten, so um die 80 Stück, dass ich einigen liebe Postkünstlerinnen gern antworten wollte. Dazu hat sich bei mir von Jahr zu Jahr immer mehr Tauschpost ergeben. Also habe ich mehr als 40 Briefe verschickt.
Kolorierter Bildbrief in Serie
Ein Bildbrief als Anschreiben durfte nicht fehlen. Ich habe ihn per Laserdrucker vervielfältigt und koloriert. Vermutlich bei Dunkelheit, denn es gibt keine Fotos davon. Die Bildbriefe schreibe ich aus dem Bauch heraus. Es gibt keine Skizzen oder Planungen im Voraus. Nicht weil die Zeit fehlt, sondern, weil das schon immer mein Wunsch war, losgelöst von Perfektion und Planung die Dinge zu vertauschen. Schrift zu zeichnen und Zeichnungen zu schreiben und alles miteinander zu verbinden. Wie soll man das planen, ohne die Freude daran zu verlieren? Klar kann ein Brief geplant werden, allerdings ist das Schreiben eines Briefes für mich etwas Unmittelbares und Spontanes.
Die Grundierung des Briefes mit Läusekamm war an dieser Stelle etwas überambitioniert. Läusekamm ja, aber nicht unter einem Bildbrief. Das Ganze ließ sich schlecht Scannen und Drucken und musste stark nachbearbeitet werden. Wobei es mir schon sehr gefallen hat, wie die Buchstaben über die Furchen gestolpert sind.
Das Verpacken ist ein wunderbarer Moment. Alles kommt zusammen und macht sich auf den Weg. Die Umschläge habe ich sehr brav gestaltet, gut lesbar für gewisse Sortier-Maschinen. Sie sollten ja nicht meinetwegen ihre Zahnräder verlieren und das System kurz vor Weihnachten zur Eskalation führen.
Kürzlich wurden die Listen zur Frühlingspost verschickt und ich freue mich auf eine neue Aktion! Die Engelsgeschichte geht noch ein bisschen weiter, aber darüber erzähle ich in einem anderen Post.
Kreative Grüße von Tabea und danke für dein Interesse
Kennst du den Podcast »Der kreative Flow« von Roberta Bergmann? In Folge (Folge 126) bin ich zu Gast bei Roberta. Im Mittelpunkt steht mein neues Buch »Du kannst zeichnen!«, das im März im Haupt Verlag erschienen ist. Wir sprechen über den persönlichen Duktus, wie wichtig es ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und wie du beim Zeichnen deine eigene Stimme findest. Roberta hat das Interview per Video aufgenommen, hier kannst du es anschauen:
Ein Sachbuch für Kinder zwischen 9 und 99 Jahren
Ich freue mich sehr, mit der Podcastfolge viele ältere Kinder zu erreichen. Im Interview bin ich noch mal eingetaucht in das Gefühl, wie es war, dieses Buch zu schreiben. Im Untertitel des Buches steht, es sei für Kinder. Und auf der Rückseite steht: für Kreative zwischen 9 und 99. Für mich bedeutet dies, es ist ein Buch von Kindern für alle, die Zeichnen können wollen. Ich betone das gern immer wieder, damit sich vor allem auch die ganz großen Kinder angesprochen fühlen. Die, die denken, sie lernen es nie zu zeichnen und auch für die, die glauben, sie könnten bereits perfekt zeichnen.
Wie schön, Roberta, dass du als Kollegin etwas aus dem Buch lernen konntest! Es war interessant, darüber zu sprechen, was wir von der Ausbildung so »mitgebracht« haben und wie viel sich im Laufe des Lebens noch dazugesellt, um sich als Zeichnerin wohl und sicher zu fühlen.
Theos erste Birne mit 2 Jahren
Im Podcast lenkt Roberta das Thema auf drei besondere Kinder »Selma, Hugo und Theo«. Sie haben viele Zeichnungen im Buch beigesteuert. Mir fiel im Gespräch auf, dass ein Foto im Buch fehlt und das möchte ich an dieser Stelle nachreichen. Vor vielen Jahren saßen meine Kinder an unserem Küchentisch, um Birnen zu zeichnen. Selma war in meinem Zeichenkurs gewesen und wusste, wie sie herangehen kann. Ihre Geschwister orientierten sich an ihr. Die gezeichneten Birnen von Selma und Hugo findest du im Buch auf Seite 53. Damals entschied ich, Theos Birne im Buch wegzulassen. Dabei wäre es schön gewesen, seine Entwicklung zu zeigen, da er so viel für das Buch gezeichnet hat. Vergleiche gern seine Birne von damals, mit der Birne von diesem Jahr, die du auf Seite 48 findest.
Selma (9)
Hugo (5)
Theo (2)
Ein schönes Beispiel dafür, wie altersgerechte Zeichnungen aussehen und dass es nie zu früh ist, mit Zeichnen anzufangen.
Erkenne dein Alleinstellungsmerkmal
Ich gehe davon aus, dass du zeichnen kannst, wie du auch sprechen oder laufen, singen und tanzen kannst. Denn es geht darum, beim Zeichnen die eigene Art und Weise für sich zu entdecken. Und einen eigenen Strich auf das Papier bringen, das kannst du! Im Bonusmaterial, das im Anschluss des Interviews entstanden ist, gehe ich kurz darauf ein. Es geht um Selbstannahme. Darum, zu deinem Körper und zu den Spuren zu stehen, die du mit dem Bleistift auf Papier hinterlässt. Dein Duktus ist dein Alleinstellungsmerkmal. Das zu verstehen, verbessert deinen Zeichenstil.
Bevor du nun das Bonusmaterial suchst, es ist für Robertas Steady Mitglieder bestimmt gewesen. Roberta finanziert ihren Podcast »Der kreative Flow« über die gleiche Plattform, die Michaela und ich für die Postkunst nutzen.
Eintauchen in Details rund um das Zeichnen
Hat ein Strich Gefühle? Im Interview ist mir wieder bewusst geworden, wie sehr mich das Thema begeistert. Wir unterhalten darüber, dass ich im Buch eine besonders Sprache entwickeln musste, da ich im Kurs vor Ort alles erklären kann und das Buch allerdings ohne mich ausgeliefert wird. So muss das Sachbuch intensiv auf viele Details eingehen, um die eventuell aufkommenden Fragen zu beantworten. Was ist eigentlich ein Strich? Und was passiert, bevor du anfängst, den ersten Strich auf das Papier zu setzen? Wie kannst du damit umgehen, wenn dich plötzlich Zweifel befallen? Woher weiß ich, wann die Zeichnung fertig ist und ob sie gut geworden ist? All diese Schritte zwischen den Zeichenschritten werden in den Kapiteln beleuchtet.
Du hast Glück, dass es ein »Kinderbuch« ist, es ist deshalb sehr erschwinglich. Und dafür so detailreich, vielseitig und inspirativ, wie ein Kreativbuch für die Großen. Ich habe noch einige Bücher »Du kannst zeichnen!« hier und verschicke sie in der Vorweihnachtszeit mit Widmung (Ladenpreis + 5 Euro) an dich oder deine Lieben. Schön verpackt mit Postkarten und Probepapieren. Schicke mir gern eine Mail, wenn du Interesse hast.
Danke, liebe Roberta für das kreative Gespräch!
Liebe Grüße von Tabea
Hier findest du weitere Informationen über mein Buch:
Am kommenden Samstag werden die Teilnehmenden in einem Workshop künstlerisch aktiv und schaffen Werke, die am Sonntag bei der Lesung präsentiert werden. Zwei Künstlerinnen aus Dresden entwickeln Texte die Workshop, Lesung und Vernissage miteinander verbindet.
Workshop mit Tabea Heinicker
Samstag 22. November 2025:
11.00–13.00 – Workshop: künstlerisches Arbeiten der Teilnehmenden
13.00–14.00 – Pause mit Mittagessen Vorort (Suppe und Verpflegung von Katrin)
14.00–17-00 – Fortsetzung des Workshops, Fertigstellung der Werke
»Entdecke deine kalligrafische Handschrift«
In dem Kurs lernen wir keine fremden Alphabete zu schreiben, sondern entdecken den Duktus der eigenen Handschrift. Mit wenigen Mitteln und Werkzeugen kommen wir rasch in den Schreibfluss und geben unserer Handschrift eine künstlerische Ausdrucksweise. Tabea zeigt, wo die kleinen Stellschrauben sitzen, um mit der eigenen Schrift unterschiedliche Variationen zu finden. Klein und groß, gerade und schräg, langsam und schnell wandeln wir unsere handgeschriebenen Buchstaben zu kalligrafischen Werken. Als Grundlage für die Handschriften entnehmen wir Fragmente aus der Lesung, die am nächsten Tag stattfindet.
Wir spielen mit Wörtern und Sätzen, interpretieren sie frei und persönlich. Am Ende haben wir einige in Farbe und Schrift gestaltetet Werke, die wir für die Ausstellung rahmen und hängen. So wird die Lesung am nächsten Tag visuell begleitet und erweitert diese.
Tabea Heinicker schreibt Kreativbücher und gibt Onlinekurse zu den Themen Farbe, Kreativität und kalligrafische Handschrift. Sie bringt kalligrafische Beispiele mit, zeigt welche Werkzeuge und Farben sie verwendet. Dank der Förderung der »Kulturstiftung des Freistaates Sachsen« stehen Papier, Tusche und Schreibgeräte kostenfrei zur Verfügung. Auch die Verpflegung ist frei. Die Teilnahmegebühr konnten wir auf Grund der Förderung halbieren.
Die Plätze sind begrenzt; Anmeldung hier: mail@tabeaheinicker.de
Teilnahme: 45,– Euro
Es sind keine besonderen Grundkenntnisse erforderlich, um teilzunehmen.
Lesung mit Franziska Fuhlrott und Kathleen Gaube
Sonntag, 23. November 2025
16.00 Uhr – Ankommen in der fünf
Eröffnung der Vernissage
Vorstellung der »fünf« und der Lesenden
Lesung
Im Anschluss munteres Beisammensein in der Ausstellung
»Töchter und Mütter. Eine Beziehung fürs Leben?«
Am Anfang war die Mutter. Sie ist die erste prägende Erfahrung unseres Lebens. Trotzdem müssen wir uns irgendwann von ihr abgrenzen und eigene Wege gehen. Dies scheint Männern oft leichter zu fallen, als Frauen. Fast jede Frau hat ein Thema mit ihrer Mutter, die Beziehungen sind oft in hohem Maße konfliktgeladen. Warum?
Die Schauspielerin Kathleen Gaube und die Dramaturgin und Autorin Franziska Fuhlrott haben Frauen unterschiedlicher Generationen zu ihren Müttern befragt. Wie haben sich die Beziehungen im Laufe der Jahrzehnte verändert? Welche Konflikte sind geblieben? Welchen Einfluss nehmen Zeitgeschichte und Politik?
In ihrer Lesung »Töchter und Mütter. Eine Beziehung fürs Leben?« lassen sie die befragten Frauen zu Wort kommen. Sie loten die Höhen und Tiefen dieser besonderen Beziehung aus und hinterfragen mal humorvoll, mal kritisch die Rolle von Müttern im Leben ihrer Töchter.
Keine Anmeldung erforderlich; Eintritt frei
Wir freuen uns über Teilnehmende und Gäste! Liebgruß Tabea und Katrin
Die Kunst Wünsche zu äußern, um sich ihnen anzunähern
Vor etwa einem Jahr ließ ich in einem Kultur-Messenger-Chat nebenher eine Bemerkung fallen. Spontan und schlicht. Ich bewarb eine queerlich Veranstaltung und am Ende fügte ich der Nachricht hinzu: »Und übrigens, ich suche ein Atelier in Rochlitz.« Katrin antwortete mir prompt: »Ich auch, lass uns mal treffen!« Das war unser Anfang. Obwohl halb Rochlitz leer steht, suchten wir über ein halbes Jahr und tranken viele Tassen Tee, bis wir die Rathausstraße 5 entdeckten.
Die Innenstadt von Rochlitz hat viel Potenzial!
Schöne leerstehende Häuser mitten in der Stadt, mit großen Schaufenstern und teilweise wilden Gärten und Innenhöfen. Leider waren alle Räumlichkeiten extrem baufällig und schieden somit aus. Aus Winter wurde Frühling und aus Frühling schließlich Sommer. Und noch immer trafen sich Katrin und ich regelmäßig zu Tee. Okay, dachte ich, wir müssen wohl noch etwas warten. Irgendwann würde sich etwas passendes zeigen.
PS:Ich wünsche all den freistehenden Häusern und Schaufenstern eine Wiederbelebung durch wunderbare Ideen, mutige Menschen und schlauen Besitzern, die sich auf lebendige Konzepte einlassen.
Die Ideenwolke wächst
Wir nutzen die Zeit des Suchens, um unsere Ideen für unser zukünftiges Projekt wachsen zu lassen. Regelmäßige Ausstellungen soll es geben, Raum für eine queere Frauengruppe wollen wir schaffen, für uns beide ein Atelier und für Katrin eine floristische Ecke. Es würde Wohnzimmerkonzerte geben, Lesungen, Workshops. Ein kleines Sofa würde im Raum stehen, es würde eine gemütliche Ecke zum Teetrinken geben, eine Teeküche, …
Wie findet man, was man sucht?
Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, es immer wieder auszusprechen, niederzuschreiben und dran zu denken, was ich mir wünsche. Und viel Tee trinken! Eines Tages standen wir (nach einem Teechen bei Katrin) in der Rathausstraße, ich lief über die Straße auf die fünf zu und fragte Katrin, »wem gehört dieses Haus eigentlich?« Es schwebte mir schon eine Weile in Gedanken hinterher. Es hatte so ein wunderbar großes Schaufenster. Durch die Scheibe gelunzt, konnte man erkennen, der Raum hat alles, was man braucht: einen heilen Fußboden, Heizungen, Lampen, stehende Wände, eine Decke ohne Loch (nicht selbstverständlich in Rochlitz). Außerdem war der Laden nicht bis unter die Decke zugestellt und wirkte hell und freundlich. Die Stufe mitten im Raum kam mir interessant vor.
Sofort fühlen, wenn alles passt!
Nach Monate langem Gesuche und ein Gefühl der Dürre im Schaufensterland Rochlitz, gab es endlich einen Lichtblick! Es war gewiss kein Zufall, dass ich die Vermieterin bereits kannte und wir uns gut im Kleingarten verstanden. Als ich den Friseurladen in der Rathausstraße fünf zum ersten Mal betrat, hatte ich sofort ein gutes Bauchgefühl! Der Raum war schön, hell, groß aber übersichtlich und hatte eine freundliche Atmosphäre.
Rasch wurden wir uns einig. Wir hatten eine Vermieterin gefunden, die unsere Idee gut findet und uns Vertrauen entgegenbringt. Uns nicht nur als Mieterinnen betrachtet, sondern als eine Belebung und Ergänzung im Haus. Vielen Dank, liebe Kerstin!
Mit konkretem Ziel renoviert es sich schneller
Es kam mir lange vor, das Abwarten bis der Raum leer geräumt war, gewisse Handwerkergespräche stattgefunden hatten, Steckdosen entfernt wurden, Tapete ab war, Farbe ausgesucht, Möbel für die Teeküche gekauft. Aber es war nicht lang, sondern intensiv. Mittendrin kamen zwei Frauen auf uns zu, mit der Idee eine Förderung für ein erstes Event in unserem Raum zu beantragen. Wir fanden das sehr gewagt, da wir uns noch in der Baustellensituation befanden, aber wir waren mutig genug, ja zu sagen. Das Konzept entstand über Nacht und wurde bewilligt. Dank der »Kulturstiftung des Freistaates Sachsen« hatten wir nun die Zusage für finanzielle Mittel, die es uns erlaubten zwei Künstlerinnen zu entlohnen und unseren Raum mit einer professionellen Hängung für Bilderrahmen, einem Tisch und 4 Hockern und etwas Material für einen Workshop auszustatten.
Mithilfe von lieben Menschen kamen wir schnell voran
Fast täglich gab es in der fünf etwas zu Werkeln und zu Entscheiden. Wir waren sehr erfreut, dass uns einige Freunde und Freundinnen so sehr geholfen haben! Wände abschleifen, streichen, Möbel transportieren, einem Küchenbuffet auf die Beine helfen, die Spüle installieren, … Vielen lieben Dank für die Hilfe! Zwei Treffen für queeren Frauen haben bereits auf der Baustelle stattgefunden, herzlich und improvisiert. Einige Möbel sind bereits aufgebaut und die Baustelle lichtet sich. In den nächsten Tagen richten wir den Raum für die erste Veranstaltung ein.
Unsere Idee für die Rochlitzer und kulturinteressierte in der Region
Katrin und ich schaffen einen Raum, in dem Kreativität und gegenseitige Inspiration wachsen. Ein Ort, an dem man sich begegnet, ausprobiert, zuhört und voneinander lernt. Hier dürfen Ideen Gestalt annehmen, Gedanken laut werden und Neues entstehen.
Wir bringen eigene Ideen und Veranstaltungen ein, gestalten damit aktiv das Programm. Gleichzeitig laden wir Menschen aus der Region ein, mitzumachen. Uns ist es wichtig, Raum für kreative Ideen und Beiträge anderer zu schaffen – in Workshops, Lesungen, kleinen Konzerten oder Vernissage-Events.
Auch feministische und queere Perspektiven finden Raum, etwa in der Frauengruppe »queerlich«, die sich regelmäßig trifft. Wir gestalten einen Ort, der Vielfalt selbstverständlich macht, in dem Menschen sich wohlfühlen und gemeinsam etwas bewegen können – ganz ohne Schwellenangst und unabhängig davon, woher jemand kommt oder wie jemand lebt.
Wir bringen Kultur dorthin, wo sie noch wachsen darf – mitten im Alltag, mitten in Rochlitz.
Wir freuen uns und sind gespannt, was alles entstehen wird!
Melde dich gern, wenn du Fragen und Ideen hast oder Interesse hast, dich einzubinden. Es wird keine extra Homepage geben, alle Infos und Entwicklungen werde ich über meinen Newsletter und den Blog kommunizieren.
Diese Woche ist Sommerpost Finissage! Im Post-Kunst-Werk Blog gibt es bereits Michaela und mein traditionelles Pingpong – mit Rückblick auf die gelungene gemeinsame Aktion nachzulesen. Für die Sommerpost 2025 habe sich Michaela und ich ein Weitblick-Landschafts-Projekt ausgedacht, an dem sehr viele, liebe, kreative Postkünstlerinnen teilgenommen haben.
An dieser Stelle gehe ich tiefer auf meine eigene Puzzle-Landschaft im Hochdruck ein. Ganz frei suchte ich Farben, Formen und landschaftliche Blicke in meinem Skizzenbuch. Das Thema Blick liegt mir schon lange am Herzen. Sowohl der äußere als auch der innere. So erklärt es sich von selbst, dass in meinen ersten Visualisierungen beides Ausdruck fand.
Schwarze Tusche und Feder sind die Werkzeuge, um meine Gedankenschaften aus ihren Kammern herauszulocken. Das Zeichnen hat Spaß gemacht, obwohl es sich in meinem Kopf anfühlte, als würde ich Licht in eine Dunkelkammer lassen. Es gab so viele Eindrücke und Ausdrücke, dass schnell klar war, DAS ist nicht in einem Puzzledruck zu bändigen. Ich sammelte ein paar landschaftliche Muster, stapelte Räume und fand schließlich … etwas, was einer Mischung aus meinem Innen und Außen glich.
Schließlich blieb ich an der Doppelseite (siehe oben) hängen. Zwar noch recht aquarellig, aber schon in Schichten, Flächen und Räume gegliederte »Schaften«. Ich bedachte, dass ein akkurat geschnittener Druckstock eventuell die emotionalen Seiten der farblichen Wasserspiele nicht gut wieder geben könnte.
Obwohl ich die Zeichnung links – mit einem Meeresmondblick – mag, war sie mir zu real und ich entschied mich für eine abstrakte Variante wie rechts. Etwas wetterartiges, ein übereinander von Streifen und Zonen für einen tiefen Blick. Bewusst haben wir uns diesmal für das hochkantige Format entschieden.
Nachdem ich mich im Skizzenbuch thematisch ausgetobt hatte, kam ich auf die Idee, alles wieder zu vergessen. Ich fing also nicht an, meine Entwürfe auf die Druckplatte in DIN A5 zu übertragen, sondern malte direkt auf die noch ganze Platte. Ich dachte, vielleicht spricht dieses Stück Gummi mit mir und ich kann daraus etwas neues entwickeln.
Links mein erster Druck und rechts die Platte mit noch reichlich Farbe. Ein Tag am Meer? Sehe ich da einen Strand mit Brandung und Wildwetterwolken? Auch wenn mir mein erster Druck schon gut gefiel, erinnerte ich mich an unser Thema »Puzzledruck«. Mit einer Platte würde ich dem nicht gerecht werden können. Ich schnitt die Platte mit einem Skalpell beherzt – ohne weitere Vorskizzen – an den entsprechenden Stellen durch und erhielt 3 Teile. Eine konkrete Landschaft hatte ich dabei noch nicht im Sinn. Ich muss wohl gedacht haben, ich nähere mich einer »Schaft« auf diese Weise an, ohne sie zu konkret »haben zu wollen«.
Mit dem hügeligen Schnitt am Horizont entfernte ich mich optisch von der Meereslandschaft. Statt zum Schnitzwerkzeug zu greifen, legte ich meine schönsten Pinselschätze auf den Tisch. Die drei Platten ließen sich mit Linoldruckfarbe, Farbwalze und Pinsel gut gestalten. Ich mochte, die glatten Effekte an den Schnittkanten der Platten. Wirre Pinselkräuseleien türmten sich scheinbar wie Wolken am Horizont. Pinselstriche wirkten wie Himmel, See und Ufer – fehlte noch ein Lot, so entstand der vierte Cut.
In diese Strukturen noch Muster zu schnitzen, widerstrebte mir. Also beließ ich es dabei. Von Druck zu Druck variierte ich die Farben dezent, mischte nach, probierte aus. Und rasch war die Serie komplett. Um stets vier Farben zum Einwalzen parat zu haben, verwendete ich 2 große Glasscheiben. Für ein Anschreiben sammelte ich ein paar Skizzen aus meinem Buch und gestaltete einen Bildbrief.
Kommt jetzt eine Herbstpause? Wie so oft nach einer Postkunst Aktion, denke ich, ich könnte doch in dieser Technik noch etwas experimentieren. In Wahrheit stapeln sich Projektbündel auf meinem Schreibtisch, die alle gern noch hübsch aufbereitet werden möchten. Dafür könnte sich die kalte Jahreszeit eignen, wenn mein Garten schläft und ich deshalb vermutlich sehr, sehr viel Zeit haben werde.