Engel im Mixed-Print

Engel im Mixed-Print

Engel im Mixed-Print war das Thema der letzten Postkunst Aktion des Jahres 2025. In letzter Zeit habe ich vermehrt die ersten Skizzen, Gedanken und Hinweise für eine Postkunst Aktion in mein Skizzenbuch gesetzt. Das mag auch daran liegen, dass ich neulich diverse Stapel mit Versuchen, Skizzen und Experimenten aus vielen Aktionen, als lose Sammlung wild auf meinem Tisch zusammengetragen hatte. In einem Skizzenbuch ist es gleich gut aufgehoben.

So entstanden meine KleEngel und TabEngel

Recht früh begann ich die Engel von Paul Klee nachzufühlen – ein guter Einstieg in das Thema. Mit Pinsel und Aquarellfarbe zeichnete ich locker die grafischen, minimalistischen und kecken Linien-Wesen nach. Ich mochte Klee schon immer, besonders auch seine Techniken und sein Duktus, seine Farbgestaltungen und seine Fähigkeit so viel zu bewegen mit seinen Strichen. Meine inneren Augen sehen mit.

Im Netz entdeckte ich die geschriebenen Muster von Klee. Und da ist mir aufgefallen, dass er sich auch eine Lineatur gestaltet hat, als Grundlage. Kommt mit sehr vertraut vor.

Engel im Mixed-Print: Erste Skizzen zum Thema. Oben kalligrafische Handschrift und unten Nachgefühlte Zeichnungen inspiriert durch Paul Klees Engel

Engel im Mixed-Print ist mein erstes Projekt in der fünf

Kaum zu glauben, fast zwei Monate später fand ich erst wieder zurück zu den Engeln. Was hauptsächlich an meinen vollen To-do-Listen lag – im November fand die Eröffnung der fünf statt. Nach der ersten großen Aktion in der fünf baute ich mir meinen Arbeitstisch auf und richtete mir eine Atelierecke ein. Das war ein schönes Gefühl! So viel Platz und Licht! Nach all den Monaten saß ich endlich mal allein und mit etwas Ruhe und Zeit in der fünf. Raum, um Reflexionen und den Lauf der Sonne wahrzunehmen, das rege Leben vor dem Schaufenster und … oh Schreck, mein Skizzenbuch ist fast voll!

Inspiriert von Klees freien Strichwesen und einer alten Insekten-Druckplatte (die ich beim Aufräumen wiederentdeckte) füllte ich die erste Seite im Skizzenbuch mit eigenen Kreaturen. Zwischen den Strichtänzen ohne komplizierte Konzepte, eher ein automatisches Zeichnen, tummeln sich bereits die Figuren, die ich dann später auch druckte. Also hätte ich an dieser Stelle aufhören können …

Engel im Mixed-Print: Skizzenbuchseite links, Aquarellpapier mit Sonnenspiel. Lauter Tuscheengel mit der Feder gezeichnete Linien. Phantasiewesen und Kleckse.
Ausschnitt der Seite. Detail eines kleinen vogelartigen Engel, großes Auge und sehr lange Wimpern, Vogelfüße mir je 3 Zehen. Tuscheklecks in Schwarz.

Kleines Experiment mit Milchtüte und Tiefdruckpresse

Obwohl mir die Skizzen schon gut gefielen, musste ich das Fundstück mit Insekt auf Milchtüte probedrucken. Ich habe keine Erinnerung daran, wann ich das Insekt wo und warum gestaltet hatte. Mit meiner umfunktionierten Tiefdruckpresse versuchte ich mein Glück. Allerdings war die Milchtüte wohl schon etwas zernudelt, in Serie kann ich mit dem Insekt nicht mehr gehen. Ich liebe Milchtüten-Tiefdruck, mein Bauchgefühl war jedoch nicht zufrieden. Die lebendigen Zeichnungen aus meinem Skizzenbuch wollte ich nicht steif nach Vorlage drucken. Wie könnte ich druckend zeichnen und lauter Unikate schaffen?

Vertiefende Skizzen – Motivfindung in Serie

Druckreif waren meine Entwürfe noch nicht, daher griff ich diesmal zu Pinsel und Aquarellfarbe und suchte mir Engel aus meinem ersten Versuch heraus und stellte sie einzeln in Variationen dar. In der Wiederholung fand ich meine Engelwesen, die sich für den Druck eigneten.

Ton-in-Ton ist eine Kombi, zu der ich immer wieder gern greife, wenn ich mich harmonisch meinem Ziel nähern möchte. Wenn ich noch nicht genau weiß, in welche Richtung es geht, ich aber den Weg trotzdem schon mal beschreiten möchte. Also pinselte ich lauter kleine Schaufenster auf die Seite und füllte sie nach dem Trocknen mit Pinselstrichwesen.

Skizzenbuchseite rechts. 5 x 3 Kästchen in Lila und Türkis gezeichnet mit Aquarellfarbe. Im gleichen Ton wie das Kästchen wurde in jedse Kästchen eine Engelfigur gezeichnet. Mit dem Pinsel.
Detail der Seite. Im zentrum ein Graugrüner vogelartiger Engel. Lange Wimpern, die sich mit einem anderen der Wesen verbinden. Sehr reduzierte Formen und Striche. Flügel sind gekringelt, Profil Vogelkopf.

Konzept einer bestäubten Annäherung

Ich war zufrieden mit der Anmut der insektualen Lumenhaftigkeit meiner Engelwesen. Mischwesen und Vermittlerinnen zwischen meinem Gedankengarten und der irdischen Botanik. Die Insektenengel sind besonders in der Nähe von Pollinaria zu finden, erklärt sich von selbst! Weiter nach Figuren suchen wollte ich nicht, fühlte mich angekommen. Nun näherte ich mich der Drucktechnik an ….

Glasscheibendruck Farbfindung und Flimmern

Ich trug meine Drucksachen vom Tatelier in die fünf. Zwei Werkstätten zu haben ist toll. Für den Anfang allerdings weiß man nie, welches Werkzeug/Papier/Farbe/etc. an welchem Ort ist. Gefühlt, ist die eine oder andere spezielle Sache nie in dem Raum, in dem man gerade ist.

Die Drucktechnik war eigentlich von Anfang an klar. Paul Klee hat sie gern angewandt. Und ich liebe sie noch mehr, als den Milchtütendruck. Also begann ich die ersten Versuche direkt von der Glasscheibe zu drucken. Weiß stellte sich als sehr ungünstig heraus, die Linoldruckfarbe war zu dünnflüssig. Föhnen und Warten schien mir zu müßig bei einer Auflage von mindestens 30 Stück.

Mit dunkleren Tönen erzielte ich die besseren Ergebnisse, schließlich wechselte ich zu einer zähen Buchdruckfarbe, die hervorragend schmatzte und majestätisch Blau leuchtete. Ich brauchte eine Weile, um die perfekte Farbbeschichtung der Scheibe herauszufinden. Die Probedrucke sind teilweise etwas ungenau und verrauscht, gefallen mir trotzdem sehr gut. Vermutlich spielt das Motiv positiv mit, denn ein Engel muss nicht gestochen scharf erscheinen. Flimmern sie nicht eher? Heißt es nicht so?

Engel im Mixed-Print: Arbeitstisch von obenfotografiert. Oben das Skizzenbuch mit den vielen kleinen Engeln in Farbe. Darunter erste Probedrucke in der Glasscheibendruck Technik. Farbwalze, Glasscheibe im Anschnitt.
Große Ansicht, blauer Engel auf pastelligem hellem Papier.

Monoprint-Technik für Unikate in Serie

Das Schöne am Glasscheibendruck ist, dass die Druckplatte mit der Zeit immer schöner und vielschichtiger wird. Um meine Engel in Serie zu drucken, habe ich allerdings nur eine kleine Ecke unten rechts auf dem Glas eingewalzt. Nach jedem Druck habe ich die entstandenen Lücken wieder eingewalzt, damit die 24 Drucke die besten Voraussetzungen hatten. Das hat prima geklappt, es gab keinen Fehldruck und jeder Engel hatte eine persönliche Handschrift.

Engel im Mixed-Print: Glasscheibe mit blauer Buchdruckfarbe eingewalzt. Die Stellen, die schon gedruckt haben, weisen Zeichnungen auf. An den Stellen ist keine Farbe mehr und das Licht scheint hindurch. Sieht toll aus!

Während des Gestaltens der ATC Engel-Karten, träumte ich vom dritten Tisch, den wir uns unbedingt in naher Zukunft anschaffen müssen. Das Format war ja sehr klein, aber mit allem drum und dran und Sonderdrucke, wurde es dann doch eng mit der Zeit.

Für meine 24er-Serie grundierte ich Aquarellpapiere auf der Gelliplate mit Wischeffekten in Lilatönen. Mehrfach verdichtete ich die Grundmuster und druckte so lange, bis ich zufrieden war. Der Hintergrund sollte hell und nicht zu unruhig sein.

Die Scheibe hatte ich dünn und gleichmäßig mit Buchdruckfarbe eingewalzt. Das Papier lag mit dem Gesicht nach unten auf der Farbschicht. Mit einer Ahle habe ich dann das Motiv auf die Rückseite gezeichnet. Die Rillen, die die Ahle hinterließ, bildeten eine Art Blindzeichnung auf der Rückseite.

Die Grundierten ATCs erhielten vor dem Druck noch je drei goldene Lumen für das Innerste meines Insekten-Engels. Mit goldener Tusche zeichnete ich die Kugeln und hoffte auf schöne Versatzdrucke.

Das Papier zeichnet mit

Das Aquarellpapier lieferte eine eigene Struktur, die die Buchdruckfarbe einlud, unregelmäßige Streumuster mitzudrucken. Kleine unruhige Monoprint-Punkte entstanden. Besonders an der gezeichneten Linie sammelten sie sich wie ein Raster an. Eine Art Engels-Flimmern.

Großes Detail. Ein Engeldruck. Tanzende Linie, die mit einem rasterartigen Druck von der Glasscheibe verschmilzt. Leuchtendes Blau. Vasenartiger Körper, schlaufenartige Flügel, Vogelfüße, ein großes Auge als Kopf mit Wimpern die bis zum Rand auslaufen.
Alle Engel sind fertig gedruckt. ein schöner Anblick in Serie von oben auf dem Tisch blickend. Ein wirklich sehr toll leuchtendes Blau! Lauter Augen blicken einen an.
Details aus der Serie. 4 Engel, der Rest im Anschnitt.

Feinschliff und Trennungs-Gedanken

Jeder Druck anders und doch alle gleich. Wie immer kann ich mir das gerahmt als Serie wunderbar vorstellen. Ein Traum, den ich seit einigen Jahren in jedem Dezember habe. Am Ende werden die Werke jedoch signiert, nummeriert, verpackt und verschickt. In 23 + x Himmelsrichtungen. Ich nehme mir jedes Mal vor, mir irgendwann (schon sehr bald) selbst eine so große Serie zu gestalten.

Das Drucken war schön. Und ja, ich kann voller Freude das scheinbar immer Gleiche in hoher Auflage zeichnen. Aber die Rückseite … hatte ab einem gewissen Zeitpunkt eine einschläfernde Wirkung auf meine rechte Hand.

Die Wortspiele kommen immer wie von selbst – gesegnet sei mein Name, der sich für allerlei Schabernack eignet. TabEngel nach KleEngel! Als Nummer 19 hatte ich reichlich viel Zeit für diese Aktion und wie ihr am Datum erkennen könnt, gelingt es mir trotzdem immer wieder, erst ein bis zwei Tage vor Liefertermin fertig zu werden. Trotz Weihnachtspostgeschäft sind die geflügelten Wesen pünktlich am 19. Dezember in den Briefkästen der Teilnehmerinnen gelandet.

Engelskarten von Hinten. Beschriftet, nummeriert, TabEngel I., Technik, Datum
Detail Ausschnitt. Eine Karte von Hinten. Papierporen sind zu sehen, der Druck als Rille deutlich zu erkennen. Beschriftung mit Feder und blauer Tusche. Die Tusche leuchtet auf dem Papier leider nicht so schön.

Sonderpöste als Dankeschön für so viel Post

Für Sonderpöstchen habe ich einige etwas zu unruhig geratene Drucke mit Gold eingewischt und ebenfalls beengelt. Ich habe soooo viele Engelskärtchen von den Teilnehmerinnen erhalten, so um die 80 Stück, dass ich einigen liebe Postkünstlerinnen gern antworten wollte. Dazu hat sich bei mir von Jahr zu Jahr immer mehr Tauschpost ergeben. Also habe ich mehr als 40 Briefe verschickt.

Großes Bild mit neun Drucken aus der zweiten Serie. 3x3 gelegt. Die Sonne spielt auf dem Tisch mit Licht, das Gold der Engel leuchtet.

Kolorierter Bildbrief in Serie

Ein Bildbrief als Anschreiben durfte nicht fehlen. Ich habe ihn per Laserdrucker vervielfältigt und koloriert. Vermutlich bei Dunkelheit, denn es gibt keine Fotos davon. Die Bildbriefe schreibe ich aus dem Bauch heraus. Es gibt keine Skizzen oder Planungen im Voraus. Nicht weil die Zeit fehlt, sondern, weil das schon immer mein Wunsch war, losgelöst von Perfektion und Planung die Dinge zu vertauschen. Schrift zu zeichnen und Zeichnungen zu schreiben und alles miteinander zu verbinden. Wie soll man das planen, ohne die Freude daran zu verlieren? Klar kann ein Brief geplant werden, allerdings ist das Schreiben eines Briefes für mich etwas Unmittelbares und Spontanes.

Engel im Mixed-Print: Bildbrief von Tabea Heinicker. Schwarze Tusche auf weißgrundiertem DIN A4 Blatt. Handschrift und Zeichnugnen verschmelzen udn ergänzen sich. Zeichnungen der Engel mit freien wilden Linien. Eine Serie vieler Engel im Mittelfeld, inkeinen Kästchen. Unten ein Stern mit langem Schweif.
Ausschnitt aus dem Bildbrief. Details der Handschrift, Kleckse und ein Engel mit langen Wimpern. Der Bogen ist fett grundiert mit weißer Acrylfarbe, der Läusekramm hat dicke Spurrillen hinterlassen. Die Schrift tanzt mit den Spurrillen. Hat tolle Geräusche gemacht beim Schreiben.

Die Grundierung des Briefes mit Läusekamm war an dieser Stelle etwas überambitioniert. Läusekamm ja, aber nicht unter einem Bildbrief. Das Ganze ließ sich schlecht Scannen und Drucken und musste stark nachbearbeitet werden. Wobei es mir schon sehr gefallen hat, wie die Buchstaben über die Furchen gestolpert sind.

Das Verpacken ist ein wunderbarer Moment. Alles kommt zusammen und macht sich auf den Weg. Die Umschläge habe ich sehr brav gestaltet, gut lesbar für gewisse Sortier-Maschinen. Sie sollten ja nicht meinetwegen ihre Zahnräder verlieren und das System kurz vor Weihnachten zur Eskalation führen.

Aufsicht Bildbrief und Engeldruck. Im Hintergrund liegt ein kompetter Bidbrief, der koloriert wurde. Darauf liegt ein gefalteter Bildbrief und darauf ein blauer Engelsdruck.

Kürzlich wurden die Listen zur Frühlingspost verschickt und ich freue mich auf eine neue Aktion! Die Engelsgeschichte geht noch ein bisschen weiter, aber darüber erzähle ich in einem anderen Post.

Kreative Grüße von Tabea und danke für dein Interesse

Puzzle-Landschaft im Hochdruck für die Sommerpost 2025

Puzzle-Landschaft im Hochdruck für die Sommerpost 2025

Diese Woche ist Sommerpost Finissage! Im Post-Kunst-Werk Blog gibt es bereits Michaela und mein traditionelles Pingpong – mit Rückblick auf die gelungene gemeinsame Aktion nachzulesen. Für die Sommerpost 2025 habe sich Michaela und ich ein Weitblick-Landschafts-Projekt ausgedacht, an dem sehr viele, liebe, kreative Postkünstlerinnen teilgenommen haben.

An dieser Stelle gehe ich tiefer auf meine eigene Puzzle-Landschaft im Hochdruck ein. Ganz frei suchte ich Farben, Formen und landschaftliche Blicke in meinem Skizzenbuch. Das Thema Blick liegt mir schon lange am Herzen. Sowohl der äußere als auch der innere. So erklärt es sich von selbst, dass in meinen ersten Visualisierungen beides Ausdruck fand.

Puzzle-Landschaft im Hochdruck für die Sommerpost 2025: Einblick in Tabeas Skizzenbuch. Kalligrafisch mit Datum und Uhrzeit und ersten Eindrücken zur inneren Landschaft.
Skizzen von Tabea Heinicker mit Tusche und Feder locker aus dem Handgelenk. Linien türmen sich zu Gedanken-Landschaften.

Schwarze Tusche und Feder sind die Werkzeuge, um meine Gedankenschaften aus ihren Kammern herauszulocken. Das Zeichnen hat Spaß gemacht, obwohl es sich in meinem Kopf anfühlte, als würde ich Licht in eine Dunkelkammer lassen. Es gab so viele Eindrücke und Ausdrücke, dass schnell klar war, DAS ist nicht in einem Puzzledruck zu bändigen. Ich sammelte ein paar landschaftliche Muster, stapelte Räume und fand schließlich … etwas, was einer Mischung aus meinem Innen und Außen glich.

Puzzle-Landschaft im Hochdruck für die Sommerpost 2025: Weitere Skizzen, die nun mehr ins landschaftliche gehen. Pinsel und Aquarellfarben in Lila und Türkisblau. Lockerer Duktus mit Muster für Wetter, Wiesen und Wasser.

Schließlich blieb ich an der Doppelseite (siehe oben) hängen. Zwar noch recht aquarellig, aber schon in Schichten, Flächen und Räume gegliederte »Schaften«. Ich bedachte, dass ein akkurat geschnittener Druckstock eventuell die emotionalen Seiten der farblichen Wasserspiele nicht gut wieder geben könnte.

Obwohl ich die Zeichnung links – mit einem Meeresmondblick – mag, war sie mir zu real und ich entschied mich für eine abstrakte Variante wie rechts. Etwas wetterartiges, ein übereinander von Streifen und Zonen für einen tiefen Blick. Bewusst haben wir uns diesmal für das hochkantige Format entschieden.

Nachdem ich mich im Skizzenbuch thematisch ausgetobt hatte, kam ich auf die Idee, alles wieder zu vergessen. Ich fing also nicht an, meine Entwürfe auf die Druckplatte in DIN A5 zu übertragen, sondern malte direkt auf die noch ganze Platte. Ich dachte, vielleicht spricht dieses Stück Gummi mit mir und ich kann daraus etwas neues entwickeln.

Puzzle-Landschaft im Hochdruck für die Sommerpost 2025: Erster Druck mit der Gummiplatte. Ohne Schnitte, sondern am Stück mit Pinsel bemalt und abgedruckt.

Links mein erster Druck und rechts die Platte mit noch reichlich Farbe. Ein Tag am Meer? Sehe ich da einen Strand mit Brandung und Wildwetterwolken? Auch wenn mir mein erster Druck schon gut gefiel, erinnerte ich mich an unser Thema »Puzzledruck«. Mit einer Platte würde ich dem nicht gerecht werden können. Ich schnitt die Platte mit einem Skalpell beherzt – ohne weitere Vorskizzen – an den entsprechenden Stellen durch und erhielt 3 Teile. Eine konkrete Landschaft hatte ich dabei noch nicht im Sinn. Ich muss wohl gedacht haben, ich nähere mich einer »Schaft« auf diese Weise an, ohne sie zu konkret »haben zu wollen«.

Foto mit links Blick in Tabeas Skizzenbuch. Eine wilde flächige Aquarelllandschaft ohnr Details. Rechts die Gummiplatte bereits in drei Teile geschnitten.

Mit dem hügeligen Schnitt am Horizont entfernte ich mich optisch von der Meereslandschaft. Statt zum Schnitzwerkzeug zu greifen, legte ich meine schönsten Pinselschätze auf den Tisch. Die drei Platten ließen sich mit Linoldruckfarbe, Farbwalze und Pinsel gut gestalten. Ich mochte, die glatten Effekte an den Schnittkanten der Platten. Wirre Pinselkräuseleien türmten sich scheinbar wie Wolken am Horizont. Pinselstriche wirkten wie Himmel, See und Ufer – fehlte noch ein Lot, so entstand der vierte Cut.

Puzzle-Landschaft im Hochdruck für die Sommerpost 2025: Viele Drucke der vierteiligen Platte, es entsteht eine Serie mit leichten Variationen in Farbe.

In diese Strukturen noch Muster zu schnitzen, widerstrebte mir. Also beließ ich es dabei. Von Druck zu Druck variierte ich die Farben dezent, mischte nach, probierte aus. Und rasch war die Serie komplett. Um stets vier Farben zum Einwalzen parat zu haben, verwendete ich 2 große Glasscheiben. Für ein Anschreiben sammelte ich ein paar Skizzen aus meinem Buch und gestaltete einen Bildbrief.

Puzzle-Landschaft im Hochdruck für die Sommerpost 2025: Anorndung von Umschlag, Beibrief und Druck, so wie es die Teilnehmerinnen aus Tabeas Gruppe geschickt bekommen. auf dem Umschlag ist das viergeteilte Motiv in Weiß gedruckt. Wie eine Schneelandschaft.

Kommt jetzt eine Herbstpause? Wie so oft nach einer Postkunst Aktion, denke ich, ich könnte doch in dieser Technik noch etwas experimentieren. In Wahrheit stapeln sich Projektbündel auf meinem Schreibtisch, die alle gern noch hübsch aufbereitet werden möchten. Dafür könnte sich die kalte Jahreszeit eignen, wenn mein Garten schläft und ich deshalb vermutlich sehr, sehr viel Zeit haben werde.

Liebgruß von Tabea

»Du kannst zeichnen!« Mein zweites Buch ist da!

»Du kannst zeichnen!« Mein zweites Buch ist da!

Mein letztes Jahr stand ganz unter dem Stern meines neuen Buches »Du kannst zeichnen!«. Nun ist es da! Ich fasse in diesem Buch meine Erfahrungen aus 13 Jahren Zeichenunterricht an einer Grundschule zusammen. Dabei bleibe ich stets dicht am Thema und beleuchte es von allen Seiten. Das Grundgerüst meines Konzepts ist sehr einfach. Doch ein Buch funktioniert anders als eine Zeichenstunde mit einer realen Person. Deshalb musste ich Wege finden, all diese Informationen zu gliedern und in angenehme, kleine Lernschritte zu verpacken.

Das Buch richtet sich nicht nur an Kinder, sondern an alle, die zeichnen können möchten. Dabei kann es hilfreich sein, sich wieder auf eine kindliche Betrachtungsweise einzulassen. Wie wäre es, wenn wir noch einmal von vorne anfangen? Wir lassen unsere Hände ihre festgefahrenen Bewegungsmuster vergessen und wagen uns erneut an einen unbedarften, zittrigen und authentischen Strich. Das Thema »Duktus« steht im Mittelpunkt dieses Buches. Es geht darum, einen individuellen, ausdrucksstarken Charakterstrich zu entwickeln.

Die Motivation, dieses Buch zu schreiben, waren die wunderschönen und künstlerischen Werke der Kinder. Anfangs konnte ich es kaum glauben, dass in so kurzer Zeit so gute Zeichnungen entstanden. Und ich dachte: Das muss jede Person erfahren, die es möchte!

Gerade findet mein letztes GTA Zeichnen statt. Veilchen und Stiefmütterchen sind ein tolles Motiv, das es in jeden Kurs geschafft hat. Letzte Woche war es wieder so weit. Die Kinder mochten das Motiv ebenso wie ich und haben gleich losgelegt. Das Prinzip der Zeichenstunden folgt stets dem gleichen Aufbau. Dies wird im Buch beschrieben. Nach Duktus-Übungen zum Aufwärmen zeichnen wir ein Stillleben ab. Das Arbeiten mit einem realen Vorbild garantiert einzigartige Zeichnungen. Denn die Künstler und Künstlerinnen interpretieren das Objekt selbst. Jede Person sieht anders, filtert anders und jede Hand hat einen anderen Charakter.

All die Jahre war ich auf der Suche nach guten Büchern zum Thema »Zeichnen«, die ich den Kindern im Unterricht zeigen konnte. Immer wieder griff ich zu Kunstbänden und Designbüchern, die sich eigentlich an Erwachsene richteten. Denn ich wollte die Kinder sehr ernst nehmen, sie als Künstler und Künstlerinnen sehen und sie entsprechend fördern.

Unter den Lernbüchern für Kinder wurde ich nicht fündig – nichts entsprach meiner Idee und Motivation. Malen nach Zahlen lag mir weniger am Herzen. Ich wollte auch keine Vorlage liefern, wie die Kinder eine bestimmte Sache zeichnen sollten, nur um sie dann allein zu lassen, wenn sie etwas anderes zeichnen wollten. Denn schließlich hätten sie so nur gelernt, diese eine Sache zu zeichnen. Stattdessen wollte ich ihnen ein Handwerk und eine Technik mitgeben, mit denen sie alles zeichnen können, was sie möchten. Mir ging es um das Prinzip: richtig sehen zu lernen und die charakterlichen Eigenschaften der eigenen Hand gezielt einzusetzen.

Entstanden sind aufbauende Kapitel mit thematischen Einführungen, Inspirationen, Übungen, Projekten und Motivations-Seiten. Es gab viel zu visualisieren: all die Hinweise, die ich im Unterricht nach Bedarf »einstreute«, ebenso die Fragen meiner Teilnehmenden und die Antworten, die sie von mir erhielten. Die Arbeit am Buch brachte mich noch tiefer in die Materie. Schließlich musste ich eine lernfreundliche Reihenfolge entwickeln, um all das Wissen auf verschiedene Kapitel zu verteilen. Die Projekte im Buch werden daher von Kapitel zu Kapitel komplexer.

Beschäftigt hat mich: Wie kann es sein, dass Kinder über so viele zeichnerische Fähigkeiten verfügen, aber nicht an ihr eigenes Können herankommen – nur weil man es ihnen nicht zutraut? Tatsächlich zeigte sich in den Kursen immer wieder, dass den Kindern schon in der ersten Stunde gute Ergebnisse gelangen. Dies lag an der Aufgabenstellung: nämlich reale Objekte und später komplexere Stillleben abzuzeichnen. Lediglich ein zu hoher Anspruch und eine verschrobene Auffassung von Kunst hielten die Kinder manchmal auf. So entstand die Idee, den Kindern gezielt Empowerment zur Seite zu stellen. Die TIPP-Seiten spiegeln genau das wider.

Das gesamte Buch wird ausschließlich mit Kinderzeichnungen illustriert. Viele Zeichnungen und Fotos stammen aus meinem Archiv. Die Bilder entstanden während der 13 Jahre, in denen ich GTA Zeichnen an einer Grundschule unterrichtete. Einige Kinder lud ich an meinen Schreibtisch ein, um gezielt Zeichnungen für das Buch zu gestalten. Immer wieder wurde ich mit wunderschönen Kunstwerken überrascht!

»Du kannst zeichnen!« richtet sich an Kinder zwischen 9 und 99 Jahren – an alle, die sich vom künstlerischen Strich der Kinder mitreißen lassen möchten. Entdecke deinen eigenen Duktus und deine individuelle Ausdruckskraft – und das mit ganz einfachen Mitteln.

Das Buch ist im Haupt Verlag entstanden, und ich bedanke mich von Herzen für die gute Zusammenarbeit! Dankbar bin ich auch, dass mir Papier Direkt einen großen Stapel Aquarellblöcke gestiftet hat. So konnte ein Großteil der Werke auf hochwertigem Aquarellpapier entstehen.

Du möchtest ein bisschen in meinen Zeichenkurs reinschnuppern? Dann klicke gern auf diesen LINK! Er führt dich zu den digitalen Inhalten, die zum Buch gehören. »Du kannst zeichnen!« ist für mich nicht nur ein Buchtitel. Ich bin davon überzeugt, dass diese Aussage auf jede Person zutrifft!

Nun bin ich sehr neugierig: Wie kommen meine Leserinnen und Leser mit dem Buch klar? Welche Werke entstehen? Gibt es neue Fragen? Finden sich viele Antworten? Werden viele Hände erweckt? Wer entdeckt ihren oder seinen Duktus neu?

Kreative Grüße von Tabea

Schaufensterausstellung für die Kunst mit ohne Worte

Schaufensterausstellung für die Kunst mit ohne Worte

Viele Worte oder gar keine, um viel auszudrücken oder gar nichts? Und muss das jetzt politisch sein? An der Stelle, an der Kunst irgendwas sollen soll oder nicht sollen soll, hört sie auf. Das Entscheidende an der Kunst ist der »Freiheitsmoment«. Freiheit für die Person, die Kunst gestaltet und entscheidet, wie viel Sinn oder Unsinn im Spiel ist. Es bedeutet Freiheit, ihr einen geschützten Raum in der Öffentlichkeit zu geben. Es ist Freiheit, sie nach eigenem Ermessen zu betrachten und zu interpretieren. Sie ist einfach da.

Warum muss ich das erklären? Wobei ich da schon bei meinem persönlichen Thema bin. Ist es gerade einfach? Ist es einfach, sich eine eigene, fundierte Meinung zu bilden und sie zu vertreten? Ich falle seit einigen Monaten von einem Extrem ins andere: Ich laufe über vor Worten mit meiner Meinung, um mich dann gleichzeitig sprachlos dabei zu fühlen. Ich gerate in ungewollte Sprachlosigkeit. Ausgelöst durch die politische Situation vor und nach den Wahlen – und die Frage, welche Kunst im Rathaus hängen darf und welche nicht.

Für meine Sprachlosigkeit entdeckte ich vor einiger Zeit eine Herzenssprache. Eine Art Ohne-Wort-Schrift, für die ich einen Buchstaben erfand. Die Arbeit entstand damals im ganz Kleinen, als Skizze im Buch, wanderte über Briefmarken und eine Postkunst Aktion schließlich in Din A2 an meine Mini-Galerie. Next Level ist angesagt, denn ich nehme an einer Schaufensterausstellung in Rochlitz teil.

»REIZend« organisiert eine »Feministische Aktionswoche für ein barrierefreies Miteinander«. Vom 8. bis 16. März gibt es Veranstaltungen und Ausstellungen dazu. Hier findest du das Programmheft.

Tabea Heinicker in ihrem Atelier mit der fertigen großformatigen Arbeit in den Händen.
Tabea im Tatelier mit frisch getrockneter Tusche und XXL Herzensarbeit
Detail aus der fertigen Arbeit mit Herzschrift, Strukren und Klecksen im Hintergrund.
Details: Strukturen im Hintergrund und Kleckse

Mit meiner Herzensschrift mache ich das Unsagbare für mich sichtbar. Ich schreibe Zeile für Zeile – mit Interpretationsspielraum zwischen den Zeilen – rhythmisch und simpel meine Gefühlslage nieder. Es ist eine reduzierte und poetische Sprache, eine visuelle Meditation, die mich wieder in Verbindung mit mir selbst und anderen bringt.

1,27 × 1,00 Meter – annähernd eine Decke. Mit der Größe bin ich zufrieden, denn mein erster Versuch, nur halb so groß, ging im Schaufenster etwas unter. Für das üppige Fensterbrett im Schaufenster gestaltete ich 32 Blätter im Format 17,5 × 12,5 cm.

Schreibtisch von oben mit vielen bunten Blättern. Tabea Heinicker hat die Blätter beschriftet, um die Arbeit für die Ausstellung zu erweitern.

Eine weitere Schrift zum Verschlüsseln meiner Gedanken ist Kurrent. Über Mark-Making-Typografie mit Tusche und Pinsel rutschten dann doch ein paar Wortfragmente aus mir heraus. Feinheiten ließ ich – in der alten deutschen Schrift – mit kalligrafischer Handschrift und Feder aufs Papier fließen. Nach den 32 Blättern geriet ich langsam in Fahrt und wünschte mir mehr Schreibpapier herbei.

Details eines Zettelns auf dem steht: »aber so geht das nicht«

Die Ausstellung begann mit einer Veranstaltung im Schloss. Danach wanderten wir durch Rochlitz von Schaufenster zu Schaufenster. Es war gut besucht und ich freue mich, dass Rochlitz ein Ort für Kultur ist!

Danke für dein Interesse. Liebgruß von Tabea

Tadieschen im Siebdruck

Tadieschen im Siebdruck

Siebdruck war die Technik der Frühlingspost 2023. Eine künstlerische Drucktechnik, die sich sehr gut eignet, um in Serie zu gehen. Mein großes Siebdruck-Sieb habe ich vor vielen Jahren geschenkt bekommen. Es ist etwas größer als meine Küchentücher (»Küchentücher« waren Teil des Postkunst-Konzepts). Die Tücher waren ursprünglich Naturweiß, ich färbte sie Lila. Mein Plan, mit einer speziellen Paste zu arbeiten, stand von Anfang an. Ich war sehr gespannt, wie sich der zeichnerische Duktus der Tadieschen im Siebdruck erhalten lassen würde.

Außer weißer Siebdruckfarbe und die Chemie für das Sieb fand ich alles in meinem Fundus. Das Lila für das Tadieschen nahm ich direkt aus der Dose, was Seltenheitswert hat. Lila ist in den Farbsystemen als schöne und fertige Farbe eher selten vorhanden. Dazu mischte ich einen sanften Morgentau. Für die Blättchen und für die Kontur der Zeichnung, wählte ich ein Petrol. Petrol war eine Vorgabe der Frühlingspost. Meine Farbwelt für mein Tuch nach Gusto, fand ich im Skizzenbuch:

Motiventwicklung: Vom Skizzenbuch auf das Vollformat

Meine Tadieschen hatte ich im Skizzenbuch von allen Seiten erforscht und der Entwurf stand. Ich zeichne selten mit Bleistift vor, doch hier war es sehr praktisch, um Feinheiten zwischen Illustration und kalligrafischer Handschrift zu justieren. Mit einem satten Duktus zeichnete ich schließlich mit Tusche und Pinsel die Reinzeichnung.

Dabei hatte ich im Hinterkopf, wie die verschiedenen Ebenen, die sich durch das einzelne Drucken der Farben ergeben sollten, zusammenspielen. Da sich die Kontur mit Illustration und Zeichnung auf einer Druckebene befinden würde, habe ich Schrift und Illustration sich überlappen lassen. Wirkt lebendiger! Ob der Duktus des Pinselstrichs und die Kleckse tatsächlich mit der Technik darstellbar sein würden, wusste ich nicht. Nicht zu wissen, ob etwas, was so richtig viel Vorbereitung und Arbeit macht, nicht klappt oder doch … sorgt für das gewisse Prickeln beim Tun.

Drucken der Ebenen mit Folie

Den Entwurf teilte ich in drei Ebenen. Die unterste Ebene in Lila stellt den Körper des Tadieschens dar. Mit der zweiten Ebene wird die Tasdieschen Frisur im sanften Morgentau gedruckt. Und die abschließende Kontur wird im dritten Durchlauf auf das Tuch gebracht.

Um in Serie drucken zu können, wählte ich eine Folie und kein Papier für die Schablone. Schließlich sollte die Vorlage bis zum Schluss durchhalten. Das großformatige Arbeiten mit Folie ist eine Frickelei. So ähnlich wie Mäusemelken. Die übersichtlichen sechs Tadieschenkörper ließen sich deutlich einfacher kleben, als die länglichen Frisuren. Einige Passagen zerschnitt ich und klebte sie einzeln auf das Sieb. Die Folie war sehr rollig und flutschte eigenwillig durch die Gegend. Zweifel kamen auf. Wird das was?

Ich machte mir Gedanken darüber, dass nach dem Zerschneiden der Folie mein Motiv nicht mehr exakt sitzt. Ein leichtes Blitzen der unterschiedlichen Ebenen, so entschied ich, sind bei diesem Entwurf okay. Erinnert ihr euch noch an die alten Obstkisten in den Supermärkten? Die hatten auch diesen Charme der Ungenauigkeit und ich fand sie damals wunderschön.

Die Qualität des Drucks hat mich sehr beglückt. Satt und glänzend stand die Farbe auf dem Tuch. Auch die leichten Verläufe an den Rändern kamen mir sehr gelegen. Anfangs habe ich aus Vorsicht sehr oft über die Schablonen gerakelt. Mit der Zeit lernte ich, dass das nicht nötig ist.

Passgenauigkeit lässt Grüßen

Für das Positionieren der Motive habe ich für das Drucken mit der Folie keine Passmarken verwendet. Wohl eher, weil ich vorher nicht darüber nachgedacht hatte und mittendrin keine Kapazitäten dafür hatte. Ich hoffte, die Frisuren würden sich schon irgendwie an die Tadieschen Körper schmiegen.

Meine einzige Justierhilfe beim Kleben war das Unterlegen der 1:1 Zeichnung, die erfreulicherweise durch das Sieb schimmerte. Beim Drucken setze ich auf mein Augenmaß und legte den Siebdruck-Rahmen einfach mittig auf das Tuch. Eine Passmarken-Technik entwickelte ich erst später. Dazu gleich mehr.

Für einen kleinen Abstand zwischen Sieb und Tuch sorgte ein an den Rahmen geklebtes Centstück.

So kam das Motiv auf das Sieb: mit Fluid und Filler!

Wie ich detaillierte Motive ohne Belichtung auf ein Sieb bekomme, habe ich mich schon lange gefragt. Bis ich davon erfuhr, dass es ein »Drawing Fluid« gibt, mit dem ich einfach auf das Sieb zeichnen kann. Die Zeichnung wird nach dem Trocknen mit einem »Screen Filler« geflutet. Nach dem Trocknen des Fillers, lässt sich das Fluid wieder auswaschen und die Zeichnung ist »frei«. Das bedeutet, die druckenden Elemente auf dem Sieb, werden nicht durch eine Paste verschlossen. An diesen Stellen kann die Farbe durch das Sieb gerakelt werde und das Motiv wandert 1:1 auf das Küchentuch.

Soweit die Theorie. Ohne die Technik auszuprobieren, machte ich mich ans Werk. Es lief alles perfekt. Dass das nicht immer so ist, weiß ich nun aus den Berichten anderer Teilnehmerinnen.

Unten seht ihr mein Sieb mit Geisterbildern. Alte Motive ließen sich nicht vollständig beseitigen. Sie stören nicht beim Drucken. Ich füllte das Drawing Fluid (blau) in ein Glas und machte mich mit einem geeigneten Pinsel ans Werk. Ich hatte vorher verschiedene Pinsel getestet, um den richtigen Duktus zu treffen. Die Reinzeichnung lag unter dem Sieb. Die Abstandhalter haben verhindert, dass das Fluid an der Papiervorlage kleben bleibt. Das Fluid ließ sich wunderbar verarbeiten. Sogar ein paar Kleckse gelangen.

Nach dem Durchtrocknen des Drawing Fluids habe ich das Sieb mit dem Screen Filler (rot) geflutet. Den Filler habe ich teilweise zu üppig aufgetragen. Das Auftragen war knifflig, daher gibt es keine Fotos. Mit einem Rakel habe ich den Filler über das Sieb verteilt. Da ich keine ungewollt offenen Stellen erzeugen wollte, bin ich einige Male über das Sieb gefahren, um reichlich Filler zu verteilen. Dadurch hat sich der Filler durch das Sieb gedrückt und hat sich an gewissen Stellen sehr verdichtet. Noch etwas mehr und er wäre auf der Rückseite in meine Zeichnung geflossen. Zum Glück ließen sich die paar Tränen, die entstanden, gut wieder abnehmen.

Nachdem der Filler trocken war, wurde das Sieb in der Badewanne gewaschen. Das Fluid ist wasserlöslich und wurde aus dem Sieb gespült. Nun zeigte sich, dass alles gut funktioniert hat. Das Verfahren hat mich sehr überzeugt, kleinste Pinselspuren wurden sichtbar!

Passgenauigkeit dank Schablone und Markierungen

Wie bereits erwähnt, stellte sich beim Machen heraus, dass ich mir ein System für die Passgenauigkeit ausdenken muss. Schließlich sollte die Kontur meines Motives passend auf den bereits gedruckten Körpern liegen. Dadurch, dass ich bisher keine Passmarken verwendet hatte, tanzten die Tadieschen auf jedem Tuch anders. Ich übertrug die Outline meiner original Tadieschen Zeichnungen mit schwarzem Permanent-Marker auf eine große Folie. Die Folie befestigte ich mit Klebeband oben am Tisch.

Vor jedem Druck legte ich das Tuch unter die Folie. Ich schob das Tuch so lange hin und her, bis die schwarze Outline »perfekt« saß. Dann klappte ich die Folie weg, ließ das Tuch genau an der Stelle liegen, setze das Sieb an die Passmarken (die ich direkt auf den Tisch gezeichnet hatte) auf das Tuch und konnte drucken.

Ja, very Homemade, aber es hat gut funktioniert!

Ernte: Der schöne Moment, wenn das Sieb abgehoben wird

Jeder Druck hatte etwas Eigenes und ich bin glücklich, dass es keinen Ausschuss gab. Die Blattfrisuren tanzten mal mehr, mal weniger. Hi und da gab es Rakelspuren. Alles im grünen Bereich. Am Ende hatte ich meinen kleinen Stapel Tadieschen Küchentücher nach Gusto, die in die Briefumschläge verpflanzt wurden. Mein Beibrief entstand aus der flotten Feder. Und ab die Post!

Tadieschen im Siebdruck: Detail mit kalligrafischer Handschrift und Tadieschen.

Hier eine Auswahl der Küchentücher, die bei mir im Briefkasten lagen. Jedes ist anders und es ist eine tolle Serie geworden! Um die Tücher den Künstlerinnen zuordnen zu können, habe ich kleine Etiketten angeheftet.

Am Ende gönnte ich mir noch ein bisschen Spaß. »Tadieschen im Siebdruck« funktioniert nicht nur auf Küchentüchern:

Nicht jede Technik aus unseren Postkunst-Aktionen möchte ich danach unbedingt wiederholen. Diese schon! Das Zeichnen direkt auf das Sieb finde ich sehr überzeugend. Besonders in Kombination mit Shirts in Tabea Design, würde ich am liebsten sofort wieder loslegen.

Liebgruß von Tabea


Inspirative Links:
Konzept der Frühlingspost 2023
Schwarmwissen Siebdruck
Finissage der Frühlingspost 2023

Die Mittelchen, die ich verwendet habe (reine Info, es bestehen keine Kooperationen mit Firmen):
Speedball Drawing Fluid
Speedball Screen Filler
Dekaprint Siebdruckfarbe für Stoff
Mein Rakel

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