Kennst du den Podcast »Der kreative Flow« von Roberta Bergmann? In Folge (Folge 126) bin ich zu Gast bei Roberta. Im Mittelpunkt steht mein neues Buch »Du kannst zeichnen!«, das im März im Haupt Verlag erschienen ist. Wir sprechen über den persönlichen Duktus, wie wichtig es ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und wie du beim Zeichnen deine eigene Stimme findest. Roberta hat das Interview per Video aufgenommen, hier kannst du es anschauen:
Ein Sachbuch für Kinder zwischen 9 und 99 Jahren
Ich freue mich sehr, mit der Podcastfolge viele ältere Kinder zu erreichen. Im Interview bin ich noch mal eingetaucht in das Gefühl, wie es war, dieses Buch zu schreiben. Im Untertitel des Buches steht, es sei für Kinder. Und auf der Rückseite steht: für Kreative zwischen 9 und 99. Für mich bedeutet dies, es ist ein Buch von Kindern für alle, die Zeichnen können wollen. Ich betone das gern immer wieder, damit sich vor allem auch die ganz großen Kinder angesprochen fühlen. Die, die denken, sie lernen es nie zu zeichnen und auch für die, die glauben, sie könnten bereits perfekt zeichnen.
Wie schön, Roberta, dass du als Kollegin etwas aus dem Buch lernen konntest! Es war interessant, darüber zu sprechen, was wir von der Ausbildung so »mitgebracht« haben und wie viel sich im Laufe des Lebens noch dazugesellt, um sich als Zeichnerin wohl und sicher zu fühlen.
Theos erste Birne mit 2 Jahren
Im Podcast lenkt Roberta das Thema auf drei besondere Kinder »Selma, Hugo und Theo«. Sie haben viele Zeichnungen im Buch beigesteuert. Mir fiel im Gespräch auf, dass ein Foto im Buch fehlt und das möchte ich an dieser Stelle nachreichen. Vor vielen Jahren saßen meine Kinder an unserem Küchentisch, um Birnen zu zeichnen. Selma war in meinem Zeichenkurs gewesen und wusste, wie sie herangehen kann. Ihre Geschwister orientierten sich an ihr. Die gezeichneten Birnen von Selma und Hugo findest du im Buch auf Seite 53. Damals entschied ich, Theos Birne im Buch wegzulassen. Dabei wäre es schön gewesen, seine Entwicklung zu zeigen, da er so viel für das Buch gezeichnet hat. Vergleiche gern seine Birne von damals, mit der Birne von diesem Jahr, die du auf Seite 48 findest.
Selma (9)
Hugo (5)
Theo (2)
Ein schönes Beispiel dafür, wie altersgerechte Zeichnungen aussehen und dass es nie zu früh ist, mit Zeichnen anzufangen.
Erkenne dein Alleinstellungsmerkmal
Ich gehe davon aus, dass du zeichnen kannst, wie du auch sprechen oder laufen, singen und tanzen kannst. Denn es geht darum, beim Zeichnen die eigene Art und Weise für sich zu entdecken. Und einen eigenen Strich auf das Papier bringen, das kannst du! Im Bonusmaterial, das im Anschluss des Interviews entstanden ist, gehe ich kurz darauf ein. Es geht um Selbstannahme. Darum, zu deinem Körper und zu den Spuren zu stehen, die du mit dem Bleistift auf Papier hinterlässt. Dein Duktus ist dein Alleinstellungsmerkmal. Das zu verstehen, verbessert deinen Zeichenstil.
Bevor du nun das Bonusmaterial suchst, es ist für Robertas Steady Mitglieder bestimmt gewesen. Roberta finanziert ihren Podcast »Der kreative Flow« über die gleiche Plattform, die Michaela und ich für die Postkunst nutzen.
Eintauchen in Details rund um das Zeichnen
Hat ein Strich Gefühle? Im Interview ist mir wieder bewusst geworden, wie sehr mich das Thema begeistert. Wir unterhalten darüber, dass ich im Buch eine besonders Sprache entwickeln musste, da ich im Kurs vor Ort alles erklären kann und das Buch allerdings ohne mich ausgeliefert wird. So muss das Sachbuch intensiv auf viele Details eingehen, um die eventuell aufkommenden Fragen zu beantworten. Was ist eigentlich ein Strich? Und was passiert, bevor du anfängst, den ersten Strich auf das Papier zu setzen? Wie kannst du damit umgehen, wenn dich plötzlich Zweifel befallen? Woher weiß ich, wann die Zeichnung fertig ist und ob sie gut geworden ist? All diese Schritte zwischen den Zeichenschritten werden in den Kapiteln beleuchtet.
Du hast Glück, dass es ein »Kinderbuch« ist, es ist deshalb sehr erschwinglich. Und dafür so detailreich, vielseitig und inspirativ, wie ein Kreativbuch für die Großen. Ich habe noch einige Bücher »Du kannst zeichnen!« hier und verschicke sie in der Vorweihnachtszeit mit Widmung (Ladenpreis + 5 Euro) an dich oder deine Lieben. Schön verpackt mit Postkarten und Probepapieren. Schicke mir gern eine Mail, wenn du Interesse hast.
Danke, liebe Roberta für das kreative Gespräch!
Liebe Grüße von Tabea
Hier findest du weitere Informationen über mein Buch:
Am kommenden Samstag werden die Teilnehmenden in einem Workshop künstlerisch aktiv und schaffen Werke, die am Sonntag bei der Lesung präsentiert werden. Zwei Künstlerinnen aus Dresden entwickeln Texte die Workshop, Lesung und Vernissage miteinander verbindet.
Workshop mit Tabea Heinicker
Samstag 22. November 2025:
11.00–13.00 – Workshop: künstlerisches Arbeiten der Teilnehmenden
13.00–14.00 – Pause mit Mittagessen Vorort (Suppe und Verpflegung von Katrin)
14.00–17-00 – Fortsetzung des Workshops, Fertigstellung der Werke
»Entdecke deine kalligrafische Handschrift«
In dem Kurs lernen wir keine fremden Alphabete zu schreiben, sondern entdecken den Duktus der eigenen Handschrift. Mit wenigen Mitteln und Werkzeugen kommen wir rasch in den Schreibfluss und geben unserer Handschrift eine künstlerische Ausdrucksweise. Tabea zeigt, wo die kleinen Stellschrauben sitzen, um mit der eigenen Schrift unterschiedliche Variationen zu finden. Klein und groß, gerade und schräg, langsam und schnell wandeln wir unsere handgeschriebenen Buchstaben zu kalligrafischen Werken. Als Grundlage für die Handschriften entnehmen wir Fragmente aus der Lesung, die am nächsten Tag stattfindet.
Wir spielen mit Wörtern und Sätzen, interpretieren sie frei und persönlich. Am Ende haben wir einige in Farbe und Schrift gestaltetet Werke, die wir für die Ausstellung rahmen und hängen. So wird die Lesung am nächsten Tag visuell begleitet und erweitert diese.
Tabea Heinicker schreibt Kreativbücher und gibt Onlinekurse zu den Themen Farbe, Kreativität und kalligrafische Handschrift. Sie bringt kalligrafische Beispiele mit, zeigt welche Werkzeuge und Farben sie verwendet. Dank der Förderung der »Kulturstiftung des Freistaates Sachsen« stehen Papier, Tusche und Schreibgeräte kostenfrei zur Verfügung. Auch die Verpflegung ist frei. Die Teilnahmegebühr konnten wir auf Grund der Förderung halbieren.
Die Plätze sind begrenzt; Anmeldung hier: mail@tabeaheinicker.de
Teilnahme: 45,– Euro
Es sind keine besonderen Grundkenntnisse erforderlich, um teilzunehmen.
Lesung mit Franziska Fuhlrott und Kathleen Gaube
Sonntag, 23. November 2025
16.00 Uhr – Ankommen in der fünf
Eröffnung der Vernissage
Vorstellung der »fünf« und der Lesenden
Lesung
Im Anschluss munteres Beisammensein in der Ausstellung
»Töchter und Mütter. Eine Beziehung fürs Leben?«
Am Anfang war die Mutter. Sie ist die erste prägende Erfahrung unseres Lebens. Trotzdem müssen wir uns irgendwann von ihr abgrenzen und eigene Wege gehen. Dies scheint Männern oft leichter zu fallen, als Frauen. Fast jede Frau hat ein Thema mit ihrer Mutter, die Beziehungen sind oft in hohem Maße konfliktgeladen. Warum?
Die Schauspielerin Kathleen Gaube und die Dramaturgin und Autorin Franziska Fuhlrott haben Frauen unterschiedlicher Generationen zu ihren Müttern befragt. Wie haben sich die Beziehungen im Laufe der Jahrzehnte verändert? Welche Konflikte sind geblieben? Welchen Einfluss nehmen Zeitgeschichte und Politik?
In ihrer Lesung »Töchter und Mütter. Eine Beziehung fürs Leben?« lassen sie die befragten Frauen zu Wort kommen. Sie loten die Höhen und Tiefen dieser besonderen Beziehung aus und hinterfragen mal humorvoll, mal kritisch die Rolle von Müttern im Leben ihrer Töchter.
Keine Anmeldung erforderlich; Eintritt frei
Wir freuen uns über Teilnehmende und Gäste! Liebgruß Tabea und Katrin
Diese Woche ist Sommerpost Finissage! Im Post-Kunst-Werk Blog gibt es bereits Michaela und mein traditionelles Pingpong – mit Rückblick auf die gelungene gemeinsame Aktion nachzulesen. Für die Sommerpost 2025 habe sich Michaela und ich ein Weitblick-Landschafts-Projekt ausgedacht, an dem sehr viele, liebe, kreative Postkünstlerinnen teilgenommen haben.
An dieser Stelle gehe ich tiefer auf meine eigene Puzzle-Landschaft im Hochdruck ein. Ganz frei suchte ich Farben, Formen und landschaftliche Blicke in meinem Skizzenbuch. Das Thema Blick liegt mir schon lange am Herzen. Sowohl der äußere als auch der innere. So erklärt es sich von selbst, dass in meinen ersten Visualisierungen beides Ausdruck fand.
Schwarze Tusche und Feder sind die Werkzeuge, um meine Gedankenschaften aus ihren Kammern herauszulocken. Das Zeichnen hat Spaß gemacht, obwohl es sich in meinem Kopf anfühlte, als würde ich Licht in eine Dunkelkammer lassen. Es gab so viele Eindrücke und Ausdrücke, dass schnell klar war, DAS ist nicht in einem Puzzledruck zu bändigen. Ich sammelte ein paar landschaftliche Muster, stapelte Räume und fand schließlich … etwas, was einer Mischung aus meinem Innen und Außen glich.
Schließlich blieb ich an der Doppelseite (siehe oben) hängen. Zwar noch recht aquarellig, aber schon in Schichten, Flächen und Räume gegliederte »Schaften«. Ich bedachte, dass ein akkurat geschnittener Druckstock eventuell die emotionalen Seiten der farblichen Wasserspiele nicht gut wieder geben könnte.
Obwohl ich die Zeichnung links – mit einem Meeresmondblick – mag, war sie mir zu real und ich entschied mich für eine abstrakte Variante wie rechts. Etwas wetterartiges, ein übereinander von Streifen und Zonen für einen tiefen Blick. Bewusst haben wir uns diesmal für das hochkantige Format entschieden.
Nachdem ich mich im Skizzenbuch thematisch ausgetobt hatte, kam ich auf die Idee, alles wieder zu vergessen. Ich fing also nicht an, meine Entwürfe auf die Druckplatte in DIN A5 zu übertragen, sondern malte direkt auf die noch ganze Platte. Ich dachte, vielleicht spricht dieses Stück Gummi mit mir und ich kann daraus etwas neues entwickeln.
Links mein erster Druck und rechts die Platte mit noch reichlich Farbe. Ein Tag am Meer? Sehe ich da einen Strand mit Brandung und Wildwetterwolken? Auch wenn mir mein erster Druck schon gut gefiel, erinnerte ich mich an unser Thema »Puzzledruck«. Mit einer Platte würde ich dem nicht gerecht werden können. Ich schnitt die Platte mit einem Skalpell beherzt – ohne weitere Vorskizzen – an den entsprechenden Stellen durch und erhielt 3 Teile. Eine konkrete Landschaft hatte ich dabei noch nicht im Sinn. Ich muss wohl gedacht haben, ich nähere mich einer »Schaft« auf diese Weise an, ohne sie zu konkret »haben zu wollen«.
Mit dem hügeligen Schnitt am Horizont entfernte ich mich optisch von der Meereslandschaft. Statt zum Schnitzwerkzeug zu greifen, legte ich meine schönsten Pinselschätze auf den Tisch. Die drei Platten ließen sich mit Linoldruckfarbe, Farbwalze und Pinsel gut gestalten. Ich mochte, die glatten Effekte an den Schnittkanten der Platten. Wirre Pinselkräuseleien türmten sich scheinbar wie Wolken am Horizont. Pinselstriche wirkten wie Himmel, See und Ufer – fehlte noch ein Lot, so entstand der vierte Cut.
In diese Strukturen noch Muster zu schnitzen, widerstrebte mir. Also beließ ich es dabei. Von Druck zu Druck variierte ich die Farben dezent, mischte nach, probierte aus. Und rasch war die Serie komplett. Um stets vier Farben zum Einwalzen parat zu haben, verwendete ich 2 große Glasscheiben. Für ein Anschreiben sammelte ich ein paar Skizzen aus meinem Buch und gestaltete einen Bildbrief.
Kommt jetzt eine Herbstpause? Wie so oft nach einer Postkunst Aktion, denke ich, ich könnte doch in dieser Technik noch etwas experimentieren. In Wahrheit stapeln sich Projektbündel auf meinem Schreibtisch, die alle gern noch hübsch aufbereitet werden möchten. Dafür könnte sich die kalte Jahreszeit eignen, wenn mein Garten schläft und ich deshalb vermutlich sehr, sehr viel Zeit haben werde.
Das ersehnte Buchpaket mit »Du kannst zeichnen!« wurde mir während meines letzten GTA-Zeichnen-Kurses im März geliefert. Perfekt, denn so konnte ich das Buch selbst im Unterricht ausprobieren! Für den Rest des Kurses brauchte ich mich nicht mehr vorbereiten, sondern bediente mich an den Übungen im Buch. Die Kinder haben aktiv mitgearbeitet, ihre Beiträge habe ich in Form von kleinen Videos auf einer Extraseite veröffentlicht, den Link findest du unten im Post! So kannst auch du von den Kindern lernen!
Ich freue mich sehr, wenn ich von anderen höre, dass sie das Buch mit in die Schulen zu den Kindern nehmen und es dort praktische Anwendung findet. In diesem Post findest du einige Einblicke rund um die Entstehung meines zweiten Buches.
Von der kreativen Wolke im Kopf zum Buch in der Hand
Mein Buch ist nun fast vier Monate alt, Zeit für ein paar Einblicke in den Entstehungsprozess. Auch wenn ich es jahrelang im Hinterkopf hatte, dass aus meinem GTA-Zeichnen-Kurs ein Buch entstehen könnte, waren mir die Struktur und der Aufbau nicht klar, als ich die ersten Skizzen anfertigte. Bevor ich im Layout die Ideen auf die 144 Seiten verteilte, gab es eine Wunschliste mit Themen und Inhalten, die ich lange hin- und herschob und in eine Reihenfolge brachte. Da ich als Autorin auch Fotografin und Buchgestalterin war, bot es sich an, die grobe Struktur auf das Layout zu übertragen und Bild und Text direkt im Layout zu konkretisieren.
In der kreativen Wolke im Kopf kann eine Idee alles sein. Ein Eindruck mit vielen Gesichtern. Der Schritt – von der Vorstellung zum Visualisieren – kostet mich stets viel Energie. Oft verliert ein Thema seine Facetten und Mehrdeutigkeiten, wenn es von der Gedanken- und Gefühlswelt die Form von Buchstaben annimmt. Es entstehen mehr und mehr Sätze, um das Thema zu beschreiben. Die Sätze werden wieder reduziert und durch die Bilder ergänzt. Für mich hat dies viel mit Reibung zu tun. Ich begebe mich in den Kern des Themas und gehe immer wieder einige Schritte zurück. Betrachte es mit Abstand. Versuche in mir fremde Augen zu finden. Die meiner Leserinnen. Würden sie anhand des Textes und der Bilder fühlen, was mir auf dem Herzen liegt?
Ein entschleunigtes Layout bietet viel Raum für die Kinderkunst
Skizzen mit Ideen für die Kapitelaufteilung und Vorstellungen zum Umgang mit Bild und Text gab es nicht viele. Eine Doppelseite ist im Skizzenbuch entstanden. Wie du oben links sehen kannst, entsprach das schon recht gut dem, was tatsächlich im Buch zu sehen ist. Im Unterschied zum ersten Buch »Schöne Post« ist das Layout bei »Du kannst zeichnen!« grundsolide und unaufgeregt. Drei Spalten, klare Regeln für Größen, Abstände und Aufgaben der Fotos, flache Textstruktur. Für einige wenige Ausnahmen, z. B die Kapitelauftakt- und die Tippseiten, habe ich schließlich das ganze Buch mit sechs Spalten angelegt. Bis zur Gestaltung der letzten Seite brauchte ich keine Sonderregeln, sondern fühlte mich sehr zufrieden mit den anfänglichen Layout-Entscheidungen. Das hat mich positiv überrascht und glücklich gemacht.
Da die Zeichnungen der Kinder so gut gelungen sind, wollte ich, dass diese keine Konkurrenz im Layout haben. Es gibt von meiner Seite keine kinderfreundlichen Icons oder erklärende Symbole, diese hätten eine weitere bildnerische Ebene ins Buch gebracht, auf die ich bewusst verzichtet habe. Schließlich wollte ich sagen, dass das ganze Buch von Kindern illustriert worden ist. Icons befinden sich auf einer anderen visuellen Ebene als Stillleben und hätten von der eigentlichen Botschaft ablenken können. Das Buch vertraut von Beginn an darauf, dass die Kinder mit ihrer unbefangenen Art und Weise selbst veranschaulichen, wie man gut zeichnet.
Mehr Licht bitte – Ein Leben im »Fotostudio«
Ungefähr für ein Jahr diente mein Atelier als Studio für die unterschiedlichsten Stillleben-Aufbauten und Zeichensituationen. Für ein Fotoshooting stand der dekorierte Tisch teilweise tage- oder wochenlang, bis das passende Fotolicht vorhanden war. Viele Projekte entstanden zeitgleich, verschachtelt und versetzt.
Unten seht ihr, wie Hugos Zitronen-Zeichnung entstanden ist. Die Zitronen haben sich im Laufe der Zeit als Leitmotiv für das Buch herauskristallisiert. Obwohl Zitronen haltbarer sind als Erdbeeren und Bananen, musste ich mehrfach neue kaufen, weil sie vertrocknet oder verschimmelt waren. Zu verdanken hatte ich dies, dem oft ungünstigen Fotolicht meiner Südwest Fensterfront.
In den 13 Jahren Unterricht mit Kindern habe ich viele Ideen für geeignete Motive gesammelt. Für das Buch musste ein extra Tischchen hergestellt werden, um auf diesem Stillleben zu sortieren und auszuprobieren. Dort warteten sie geduldig auf ihren Auftritt. Auf dem Foto mit dem Skizzenbuch von Selma zeigt sich gut, wie unberechenbar sich das Licht verhalten hat. Die pralle Sonne war zu hart für gute Fotos, Plissees haben den Raum zu sehr abgedunkelt. Das beste Fotolicht entstand, wenn der Himmel eine leichte Wolkendecke hatte und die Sonne noch nicht direkt auf den Tisch schien.
Ein Alltag voller Motive
Ein Jahr lang mit einem Buch »schwanger« zu sein, bedeutet, dass es allgegenwärtig ist. Das Stiefmütterchen ist ein wunderbares Motiv, das ich jedem ans Herz lege! Eisessen in Colditz, nicht ohne links und rechts nach Motiven zu suchen. Während es das Stiefmütterchen in der Form nicht ins Buch geschafft hat, kam mir das wandelnde Röschen im Botanischen Garten Chemnitz sehr gelegen! Ich suchte ein florales Motiv mit vielen Farben für eine Projektseite, auf der es um Farbfächer- und Sammlungen geht.
Rahmenbedingungen für den Anfang
»Von den Kindern lernen« meine ich nicht als Floskel. Der Unterschied in den Zeichnungen der Kinder zwischen »malt aus der Fantasie« und »zeichnet nach einem Stillleben« ist enorm! Im Grunde muss ich zugeben, es ist kein »Lernen« erforderlich, um richtig gut zu zeichnen. Das klingt seltsam? Ich konnte bei keinem der Kinder eine Entwicklungsphase im Sinne von »Jetzt zeichnet es nicht gut, jetzt hat es viel geübt und man sieht es endlich und jetzt hat es wirklich verstanden« erkennen. Das Zeichnen von realen Gegenständen wie Äpfel, Uhren oder Naturgegenstände klappte auf Anhieb. Das hat mich sehr fasziniert! Interessant finde ich, dass es so unüblich ist, auf diese Weise zu zeichnen. Wenn ich Freunden von meinem GTA Kurs erzählt habe, waren sie überrascht, dass ich MIT KINDERN Stillleben zeichne. Als wäre das zu kompliziert.
Hinter den Bildern im Buch stecken viele echte Geschichten
Ich hatte regelmäßig Gäste in meinem Atelier. Benjamin hat zum ersten Mal auf diese Weise Pflanzen gezeichnet und es hat wunderbar geklappt. Sein Werk findet ihr im Buch! Während eines Treffens mit Kindern, das konkret zum Zeichnen von Stillleben für das Buch initiiert wurde, habe ich nicht unterrichtet. Es gab zu viele Aufgaben (Motivstimmigkeit für das jeweilige Kapitel, Fotos erstellen) drumherum. Ich habe die Rahmenbedingungen gesteckt und die Kinder machen lassen. In dem Moment dachte ich mir, warum schreibe und gliedere ich so viel für mein Buch? Die können das doch einfach so!
Da ich nicht konkret planen konnte, wie die Kinder zeichnen und mitmachen, habe ich mich jedes Mal flexibel auf die Situation eingelassen. Die Schnecke wurde unbemerkt mit den Brombeeren vom Strauch vor dem Haus gepflückt. Auf dem Zeichentisch hat sie sich dann gezeigt und wurde gleich für das Buch verewigt. Nach ihrem Job als Model und überstandenem Fotoshooting durfte sie wieder zurück in ihren Busch ziehen.
Einige einzige Zeichnung von mir als Lückenfüller
Von einer schönen Zeichnung, die ich vor vielen Jahren im Unterricht fotografiert hatte, fehlte die Erlaubnis des Urhebers. Nach all den Jahren konnte leider kein Kontakt mehr hergestellt werden. Zuerst zeichnete ich ein Bild, das seinem Bild ähnelte. Dann entschied ich mich für eine eigene Version, für die eine komplette Bleistiftspitze dran glauben musste. Es gibt also ein Zeichnung von mir im Buch, im letzten Kapitel, in dem Projekte variieren.
Die Astern vertrockneten mir auf dem Aquarellkasten, ohne dass sie je gezeichnet wurden. Auch schön.
Ein Titelentwurf ist stets eine Gratwanderung
Für den Titel gab es viele Entwürfe in alle Richtungen. An dieser Stelle treffen sich die Bedürfnisse vieler Interessen. Als klar war, dass es ein bunter Hintergrund auf Aquarellpapier werden soll, kam es auch hier zu einigen Variationen. Aus gewissen Gründen gefiel mir die Idee im Verlauf auf Grün und Rot zu verzichten. Gelb konnte ich gerade noch einsehen, da ich Zitronen mag. Da Lila und Gelb komplementär aufeinander reagieren und sich gern zu einem schmuddeligen Braun ergänzen, habe ich einen beachtlichen Aquarellverlaufs-Stapel-Versuche in meinem Archiv liegen. Irgendwann gab es einen zufriedenstellenden Verlauf, der jetzt den Titel ziert.
Bei »Schöne Post« war der Name des Buches schon viele Monate als Arbeitstitel etabliert. Ich war irritiert, als er dann ganz einfach zum echten Titel des Buches wurde. Danach musste ich erstmal in mich gehen, wie ich das finde. Denn der Arbeitstitel kam spontan aus dem Bauch heraus. Bei »Du kannst zeichnen!« suchten wir lange und intensiv. Die Vorschläge trafen es alle nicht.
So ging ich in mich und erinnerte mich an einen Workshop, den ich in der Grundschule während der Arbeit am Buch hielt. Die Kinder wurden an meinem Buchprojekt beteiligt. Ich zeigte ihnen meine bisherigen Buchseiten im Rechner, wir zeichneten Stillleben und scannten sie ein. Einige Ergebnisse aus dem Workshop sind im Buch zu sehen. Zum Beispiel die Birnen von Fynn und die Obstschale von Gerlind.
Mein Workshop war Teil der Schul-Projektwoche »Kinder können viele Sachen!«. Die Stimmung an den Projekttagen war wunderbar! Zu sehen, wie die Kinder in viele tolle Projekte einbezogen wurden, um ihnen zu vermitteln »Hey! Du kannst das!« Eine viel bessere Herangehensweise, als Schule so zu verstehen, als dass man echt noch viel zu lernen hat. Und »du kannst das!« ist genau meine Erfahrung, die ich im Zeichenunterricht mit den Kindern gemacht habe. Sie konnten es! Sie haben gezeichnet, nicht ich. Ich habe ihnen den Rahmen gestellt. So, wie auch nun mit dem Buch »Du kannst zeichnen!«.
Für die diesjährige Frühlingspost haben sich Michaela und ich mal etwas anderes ausgedacht. Es wurde nicht gedruckt und es gab in dem Sinne auch keine neue Technik zu erobern. Schon länger schwebten mir die minimalistischen und wunderschönen Scherenschnitte von Henri Matisse vor dem inneren Auge. Also haben wir uns auf Farbflächen und florale Papierschnitte eingelassen.
War ich jemals so weit vorn auf einer Liste? Meist bin ich ganz weit hinten und konnte die Herangehensweisen der anderen beobachten, bevor ich mich ans Werk machte. Ich muss sagen, zeitnah mit der Postkunst zu beginnen, hat mir gut gefallen. Ich habe zeitig angefangen, Eindrücke in meinem Skizzenbuch zu hinterlassen und kam rasch auf meine Tatulpen für die Frühlingspost 2025.
Mein Skizzenbuch sagt mir, wo es lang geht
Mit Feder und Pinsel zeichnete ich grobmotorisch Blumenskizzen in das Buch und verzichtete auf Details. Schließlich ging es darum, die Entwürfe später zu schneiden. Daher zeichnete ich mit der flachen, langen Seite des Pinsels, um das das markmakinghafte zu betonen. Obwohl ich mich sofort mit den Tatulpen verbinden konnte, entstanden noch ein paar andere Pflanzen. Manchmal lasse ich mich gern auf den Impuls der Gründlichkeit ein und gehe im Flow weiteren Ideen nach, auch wenn ich sie nicht mehr brauche.
Der algenhafte Blumentanz oben rechts gefällt mir. Die floralen Wesen mögen sich scheinbar und schmiegen sich an- und ineinander. Auch die Überlagerungen sind schön, aber eignen sich nicht für einen Scherenschnitt. Besonders die Verläufe und die neuen Farben, die durch die Schichtung entstanden, sind interessant. Bunte Transparentpapiere wären dem vielleicht nahe gekommen.
Im kreativen Fluss mit Dummies
Obwohl mir der Aquarelleffekt gefallen hat, verfolgte ich einen anderen Plan. Warum auch immer, bereits bevor die ersten Entwürfe entstanden, hatte ich ein samtiges, knautschiges, zartes Papiergelüst. Und nur Linoldruckpapier kam dem nahe. Es ist ein japanisches Papier, das zwar sehr dünn, aber strapazierfähig ist. Ich finde es gut, mit Dummies zu beginnen. Sie hatten ein anderes Format, hielten sich somit nicht direkt an die Regeln, was mir den Einstieg erleichterte.
Mit Tusche – in den Lieblingsfarben aus dem Archiv – färbte ich Probeblätter in DIN A5 ein. Alles lief nach Plan und die Einfachheit im Prozess hat Spaß gemacht. Die Farbkombination für die Collage entstand aus dem Bauchgefühl, nur zwei Farben pro Blatt, mehr sollten es nicht werden. Das Format ließ sich gut bearbeiten und die Entwürfe flossen ungehindert über die Schere auf das Papier.
Papiereinfärben und Arbeiten in Serie
Die Serienarbeit konnte beginnen, und im großen Stil färbte ich Blätter im richtigen Format ein. Die Effekte der Farbperlen auf dem feuchten Tisch waren sehr angenehm. Leider musste ich sie übertünchen und dachte mir, mit diesem Linoldruckpapier werde ich noch öfters färben und experimentieren. Hättest du gedacht, das Papier beim Einfärben einlaufen kann? Während des Einfärbens ist das Papier deutlich geschrumpft, damit habe ich nicht gerechnet. Am Ende war die Arbeit tatsächlich je ein Zentimeter zu kurz an den Seiten.
Es entstanden Farbpapiere in zwei unterschiedlichen Tönen, die ich noch etwas zerknüllte. Ohne Vorzeichnung schnitt ich die Tulpen aus und fixierte sie locker mit Klebestift auf der Unterlage. Das Motiv ließ sich gut an das sehr schmale Format anpassen. Das Postkartenformat hat mir allerdings auch sehr gut gefallen. Besonders auf diesem zarten Papier schimmert die verwässerte Tusche blass zwischen der kräftigen Farbe. Beim Kolorieren des Papiers hat es Spaß gemacht und ich konnte den Effekt nur erahnen. Ohne Kleckse fühle ich mich nicht wohl, also vervollkomnete ich die Tulpen mit Ton-in-Ton-Tusche-Klecksen.
Textcollage und Blackout Poetry
Für die Schnipselpoesie wählte ich ein Buch aus dem Erbe meiner Oma. Es hatte das perfekte Format, und der Blocksatz passte ausgezeichnet. Wie für mich gemacht! Die Schnipsel für die Poesie bestanden aus drei Fragmenten pro Blatt. Die Seitenzahlen und Überschriften entsprechen den tatsächlichen Positionen der Seiten im Buch. Den oberen sehr breiten Rand ließ ich bewusst, damit man die Seiten später gut binden kann und nichts zu nahe am Bund steht.
Für den Text habe ich die Blackout Poetry angewandt. Mit Pinsel und Tusche wurde alles verdeckt, was einem neuen Sinn im Wege stand. Robert Lejeune, Autor und Berichterstatter über Honoré Domie, hat eine komplexe Textgrundlage geboten. Ich freu mich schon, den Text auf andere Weise für meine Sonderpost zu bearbeiten.
Kalligrafischer Beibrief
Ein Frühlingspost-Beibrief, in bewährter Technik, musste natürlich dazu. Mit Lieblingsfeder und schwarzer Tusche schrieb ich frei aus dem Bauch heraus. Dabei blieb ich dem Farbschema treu. Am Ende gab es zwei Blatt pro Brief. Die Rückseiten des Anschreibens streifte ich.
Es war schön mit euch und kleine Vorschau
Es war mir ein Vergnügen! Ich bedanke mich bei allen Teilnehmerinnen, die so aktiv und begeistert mit dabei waren! Danke für die vielen lieben Pöste und Sonderpöste! Wenn du wissen möchtest, was aus all den Werken geworden ist, dann schau gern am Montag im Post-Kunst-Werk vorbei. Michaela und ich haben eine feierliche Finissage gepostet! Ein paar kleine Einblicke: