Seit meinem Studium binde ich mir meine Skizzenbücher selbst. Selbstverständlich war damals für mich noch nicht, dass ich mir auch das Einschlagpapier für den Umschlag selbst gestalte. Auf die Idee kam ich erst im Rahmen der intensiven Auseinandersetzung mit meiner Schrift vor einigen Jahren. Große Musterbögen für meine Skizzenbücher mit der eigenen Handschrift und schönen Farben zu bemustern ist so einfach und naheliegend!
Das ABC im Mark Making Stil als Umschlaggestaltung. Dieses Skizzenbuch ist noch leer. Der Titel verrät für welches Thema ich das Buch reserviert habe. Großer runder Borstenpinsel und schwarze Tusche auf Ingres Papier mit Klecksen.
So fühle ich mich im eigenen Skizzenbuch wohl
Ein Skizzenbuch ist Vertrauenssache. Das Papier muss das richtige sein, gut geeignet für meine Vorhaben, ebenso muss das Format passen. Nur wenn ich mich wohlfühle, wenn ich mich hingezogen fühle zum Skizzenbuch, nehme ich es auch regelmäßig und gern in die Hand. Ich lernte, mit meinen eigenen Farbpaletten zu arbeiten und diese auch für meine Bücher einzusetzen. Die äußere Gestaltung des Skizzenbuches verrät somit etwas über den Inhalt. Es ist schön, die Buchrücken im Regal zu sehen, die von meinen damaligen Lieblingsfarben und Techniken erzählen. Viele Jahre habe ich für den Inhalt Papiere verwendet, die »wegmussten«. Das hat die Hemmschwelle, ins Skizzenbuch zu arbeiten, deutlich gesenkt.
Und wenn ich mir noch nicht sicher bin, was in das Skizzenbuch soll? Dann habe ich Spaß beim Gestalten mit meinen Lieblingsfarben! Ich Grundiere mit Acrylfarbe und Läusekamm für eine haptische Struktur. Tupfen, Streifen, Punktieren, Schicht für Schicht entsteht ein Musterbogen, der für mich spricht und mit dem ich mich wohlfühle. Hier findest du einen Post zur Bindetechnik meiner Skizzenbücher.
Musterbögen großformatig in Serie gestalten
Anfangs hatte ich ein großes Blatt Papier vor mir liegen, um es passend zu gestalten. Erst später kam ich auf die Idee, hier in Serie zu gehen. Ich grundierte also viele Bögen (je nachdem, was vorhanden war, Formate zwischen A3 und A1)mit meinen Lieblingsfarben und diese dann nach dem Trocknen zu beschreiben. Somit hatte ich weniger Erfolgsdruck, denn ich war mir sicher, unter all den Bögen finde ich schon einen passenden. Ein positiver Effekt war, dass ich nun Musterbögen auf Vorrat hatte. Für weitere Bücher, als Geschenkpapier, als Verpackungsmaterial für alles Mögliche.
Das großformatige Arbeiten entpuppte sich als sehr wertvoll. Mein Körper wurde einbezogen ins Grundieren, Mustern und Schreiben. Mein Handgelenk und mein Arm konnten einen viel größeren Radius nutzen. Die Geschwindigkeit ist eine andere. Es gab allerlei für mich zu entdecken und zu beobachten. Die Auseinandersetzung bestand darin, meine kleinformatige Arbeiten ins Großformat zu übersetzen.
Ein kleines aber feines Skizzenbuch für meine Handlettering Challenge vor einigen Jahren. Mit Pinsel und schwarzer Tusche auf ein Lieblingsstöffchen geschrieben. Der Duktus auf dem Umschlag setzt sich im Buch fort.
Anwendungsmöglichkeiten im Alltag festigen meinen Stil
Ins Skizzenbuch arbeiten kann eine introvertierte Sache sein. Ich schlage mein Buch zu und all meine Gestaltungen und Geschichten verstummen. Den Umschlag des Buches selbst zu gestalten, kann dem ganzen Buch eine Stimme verleihen und transportiert eine Ahnung nach außen. Diese Ahnung liegt dann auf meinem Arbeitstisch oder steht im Bücherregal und spricht für sich.
Für mich selbst war diese Entdeckung, großformatig meinen Style aufs Papier zu bringen, wichtig für meine Selbstwirksamkeit. Ich geriet von den Entwürfen aus dem Skizzenbuch mit der Umschlag-Gestaltung ins Tun, ins Verpacken ins Visualisieren. Und das motiviert und macht Spaß!
Der experimentelle Umschlag, mit Liniatur und Kurrent Schrift, spricht für den Inhalt des Skizzenbuches. Es ist voller Buchstaben-Spiele. Und fast jede Seite eignet sich zum Eskalieren. Ich könnte all die Arbeiten im Skizzenbuch nutzen, um sie auf ein Großformat zu bringen.
Ausprobieren, vertiefen, dranbleiben
Und weil das Ganze so wichtig und erfreulich ist, gibt es einen online Workshop zum Thema großformatiges Arbeiten. Der Schwerpunkt liegt auf deiner Handschrift, sie einzusetzen und zu entdecken. Es sind noch Plätze frei, schau gern im Shop vorbei. Drei Stunden aktiv und produktiv sein in einer geselligen und wohlwollenden Runde Kreativer:
Mein persönliches Motiv für Weihnachten und Neujahr steht. Schon seit Jahren bevorzuge ich Sterne mit und ohne Schweif. Mit Sternen komme ich so richtig in den Flow. Ich kann meine Sternmuster, Sternbilder und Sternkarten nicht oft genug zeichnen. In kleinen Abwandlungen mit Pinsel und oder Feder. Kontrastreich mit schwarzer Tusche oder bunt in mehreren Schichten mit Aquarellfarbe. Ich frage mich, was macht es aus, Glücksmomente beim Zeichnen zu finden?
Glücksmomente beim Zeichnen durch Einfachheit
Das Konzepten und Gestalten meiner Workshops bringt mich ins Machen. Ich habe eine Ahnung, in welche Richtung es geht und setze mich ans Skizzenbuch. Es ist schön meditativ, wirklich sehr beruhigend, das eine Thema in Varianten zu visualisieren. Am Ende sind es meist die ganz kleinen Veränderungen, die mich ins serielle Arbeiten führen. Es könnte ermüden, immer wieder etwas Ähnliches zu zeichnen und zu schreiben. Tut es jedoch nicht, genau das Gegenteil passiert. Ich koste jeden Strich aus, auch in der Wiederholung der Wiederholung. Und meine Glücksmomente beim Zeichnen liegen in der Einfachheit und im rhythmischen Arbeiten. Indem ich mir erlaube, meinen Strich und Duktus ohne Korrektur und Perfektion fließen zu lassen.
In das Motiv einfühlen
Die klassische Weihnachts-Geschichte ist nicht mein Lieblingsfest. Jedoch, wenn ich Weihnachten als Winterfest betrachte, als Lichterfest, als Besinnungsritual, als Rückzug … dann empfinde ich es als wohl platziert, inmitten der Kälte und Dunkelheit am Ende eines Jahres. Ein überreifes Jahr, das sich nach Neuerung sehnt. Ich schaffe mir also Licht, fange an zu schweben und zu leuchten und nähere mich den Sternen. Mein Motiv ist nicht irgendein Motiv, sondern hat Bedeutung für mich. Beim Zeichnen fühle ich mich ein, ziehe mich zurück und lasse gleichzeitig etwas heraus.
Jeder Strich erzählt mir eine Geschichte
Ich mag die grafischen Fähigkeiten des Sterns, das Abstrakte und dennoch Weiche, Illustrative. Es gibt sie wirklich, die Sterne und in meinen Zeichnungen vermischen sie sich mit Illusionen und Vorstellungen. Sterne haben für mich etwas Wohlwollendes, Festigendes, sie verorten mich im Universum. Ich schweife im wahrsten Sinn des Wortes durch Gedanken und Gefühle und lass all dies in meine Striche fließen. Schaffe Verbindungen zwischen meinen Sternen und persönlichen Geschichten, die innerlich in Bewegung kommen.
Verpacke visuelle Kleinigkeiten für Weihnachten
Also wollte ich mir mit meinem »Schöne Post« Workshop etwas Gutes tun. Daran kannst du teilhaben. Mach gern mit und finde dein Flow-Motiv, mit dem du gern und entspannt in Serie gehst. Setzte deine Handschrift kalligrafisch ein, verpacke Gedanken und visuelle Kleinigkeiten für deine lieben Leute. Ein Workshop zum Entdecken der Glücksmomente bei Zeichnen und Schreiben … und nebenbei entsteht schöne Post für Weihnachten und Neujahr. Ich bin schon gespannt, womit ich meine Karten und Papiere fülle.
Der »Baum« ist Winterthema bei der Postkunst und in einem meiner Schriftbild Workshops. Dieses Motiv steht schon lange auf der Wunschliste. Als klar war, dass wir uns in dieser Adventspost endlich um den Baum kümmern – oder kümmert er sich um uns? – liefen meine Visualisierungswünsche sofort in alle Himmelsrichtungen und ich setze mich an den Schreibtisch. »Baumschreiben« lag quasi auf der Hand, da ich gleichzeitig die neue Postkunst Aktion und meinen November Workshop plante.
In Wuchsrichtung schreiben, aus dem Handgelenk wachsen lassen. Dem Drall der Äste folgend, in den Himmel sprießen lassen. Linien, Formen, Farbe und Kleckse mischen sich mit Handschrift zum Baumschreiben. Ein Selbstversuch. Ich würde sagen, dieses Baumschreiben hat bestanden und darf in meinen Workshop.
Es wuchs die Idee, ein Baumbuch zu gestalten. Ich lerne bei meinen Workshops immer mit. Begann also gleich mit einem Hintergrund, der meine Zeichnungen tragen sollte. Ein »echter« Baum wächst schließlich auch nicht aus dem Nichts heraus. Nichts kommt aus dem Nichts. Noch in der sommerlichen Technik vertieft, griff ich zu meinem kleinen Aquarellkasten von Therese. Sommerpost trifft Adventspost quasi. Dazu rate ich jeder Person, die Probleme mit Ladehemmungen hat. Nimm etwas Altes und Vertrautes und baue darauf auf. So kommst du schnell in einen Flow und der Rest ergibt sich wie von selbst.
Ich sammelte auf einem vorgefalzten Papierbogen Baumformen und Muster. Zeichnen und Schreiben liegen bei mir dicht beieinander. Wenn ich zur Feder greife und zeichne, stelle ich mir vor, ich schreibe und umgekehrt. Es ist das Gefühl, auf welche Weise ich die Feder halte und führe. Und es geht um das Wissen, dass später jeder Strich auch Schrift sein könnte. Das Baumschreiben entwickelte sich also aus einem Mix aus Baumzeichnung und Schreiben.
Die Rückseite des Aquarellpapieres ist nicht von guter Qualität, daher habe ich sie mit weißer Acrylfarbe grundiert. Kontrastreich arbeitete ich hier nur mit Handschrift in schwarzer Tusche. Und dann ein Zeichen des Himmels! Ein Herbstbaum spiegelt sich auf meinem Arbeitstisch. Ich werde den Rest des Tages damit beschäftigt sein, den Tuschesee aufzupipettieren. Ich leg` jetzt eine Schreibpause ein und zeige euch das fertige Werk ein andermal.
Der Novemberkurs wächst also. Und ich bin gespannt, wie sich meine sommerpöstlichen Bäume durch einen Schriftbild Workshop zur Adventspost hinwinden.
Hast du Lust darauf, deine Handschrift kalligrafisch anzuwenden und magst du Bäume? Dann mach gern mit, es sind noch freie Plätze im November vorhanden:
In selbst gebundene Skizzenbücher zu zeichnen und zu schreiben, ist etwas Besonderes. Im eigenen Stil gestaltet, fühle ich mich sehr wohl und es ist zu 100 % meins. Früher hatte ich meine Mühe, Skizzenbücher in den Läden zu finden, die mir sowohl optisch als auch qualitativ gefielen. Heute kann ich alles selbst bestimmen: Größe, Grammatur und Qualität des Papiers, die Gestaltung und natürlich die Bindetechnik.
Oben seht ihr eine Musterpapier-Kollektion. Aus diesen Papieren kann ich eine ganze Serie binden, die am Ende schön zusammenpasst. Das Papier reiße ich gern, es entstehen schöne Fransen an den Kanten.
In den letzten Jahren habe ich mich in die Koptische Bindung verliebt. Mittlerweile habe ich einige koptische Bindetechniken ausprobiert und bin fast zufrieden. Rein technisch ist es schön, dass sich diese Bücher komplett aufschlagen lassen. Auch kompensiert der Bund es gut, wenn ich die Papiere nachträglich grundiere und ihnen damit mehr Volumen im Profil verpasse. Was mir am meisten entgegenkommt, ist die Einfachheit: Zwei Pappdeckel, ein paar Papierlagen, Nadeln und Fäden und es kann fast nichts mehr schiefgehen. Ich gehe gern intuitiv ans Werk und muss hier nicht so genau arbeiten und messen, wie bei einem Buch mit geschlossenem Rücken.
Mittlerweile habe ich meine Werkzeuge und Materialien parat und bleibe ihnen treu. Das schöne Täschchen (unten links) von Christiane @momi_machts birgt meine Ahlen, Falzbeine, Nadeln und vieles mehr. Und seit Jahren arbeite ich mit den gleichen Fäden, die ich mir mal online gekauft habe. Der Faden ist recht fest und dick, dafür Nadeln zu finden, war gar nicht so leicht. Die Dicke des Fadens passt gut zu meinen Heftlagen, die ich gern üppig ausstatte. Denn, damit nach der Bindung alles gut sitzt, ist das Verhältnis von Heftlage und Faden sehr wichtig.
Oben: Diese beiden Bücher habe ich mir noch während der Sommerpost 2022 gebunden. Es sind so viele Pflanzendrucke entstanden, dass sie mich gleich zum Binden motiviert haben. Das untere der beiden Bücher ist mein derzeitiger Wochenplaner.
Unten ein kleiner Versuch: Vier Lochstränge stabilisieren deutlich besser, als nur zwei.
Manchmal werde ich gefragt, welches Papier ich zum Binden verwende. Lange habe ich geerbtes Papier verwendet, ungeachtet des Alters und der Qualität. Papier mit unguter Oberfläche habe ich mit weißer Acrylfarbe grundiert. Wenn ich mir Papier kaufe, dann in großen Mengen und Formaten ab DIN A2. Ich probiere Universalpapiere, Zeichenpapiere und Aquarellpapiere aus. Vor dem Kauf weiß ich nicht, in welcher Laufrichtung das Papier geliefert wird. Somit habe ich keine genauen Vorstellungen und lass mich auf das ein, was ich dann später auf dem Tisch liegen habe. Ein paar Lieblingspapiere habe ich, darauf kann ich gern in einem extra Post eingehen.
Meine Regale füllen sich langsam mit bunten Rücken. Unten links stehen meine Wochenplaner aus den letzten Jahren und rechts stehen meine Tagebücher.
Ich plane, ein großes kalligraphisches Skizzenbuch zu binden. Denn ich merke, seitdem mein altes Buch voll ist, vernachlässige ich das großzügige Arbeiten. Um in einem kontinuierlichen Schaffensprozess zu bleiben, ist es ratsam, immer ein paar leere Skizzenbücher im Regal stehen zu haben.