Engel im Mixed-Print war das Thema der letzten Postkunst Aktion des Jahres 2025. In letzter Zeit habe ich vermehrt die ersten Skizzen, Gedanken und Hinweise für eine Postkunst Aktion in mein Skizzenbuch gesetzt. Das mag auch daran liegen, dass ich neulich diverse Stapel mit Versuchen, Skizzen und Experimenten aus vielen Aktionen, als lose Sammlung wild auf meinem Tisch zusammengetragen hatte. In einem Skizzenbuch ist es gleich gut aufgehoben.
So entstanden meine KleEngel und TabEngel
Recht früh begann ich die Engel von Paul Klee nachzufühlen – ein guter Einstieg in das Thema. Mit Pinsel und Aquarellfarbe zeichnete ich locker die grafischen, minimalistischen und kecken Linien-Wesen nach. Ich mochte Klee schon immer, besonders auch seine Techniken und sein Duktus, seine Farbgestaltungen und seine Fähigkeit so viel zu bewegen mit seinen Strichen. Meine inneren Augen sehen mit.
Im Netz entdeckte ich die geschriebenen Muster von Klee. Und da ist mir aufgefallen, dass er sich auch eine Lineatur gestaltet hat, als Grundlage. Kommt mit sehr vertraut vor.






Engel im Mixed-Print ist mein erstes Projekt in der fünf
Kaum zu glauben, fast zwei Monate später fand ich erst wieder zurück zu den Engeln. Was hauptsächlich an meinen vollen To-do-Listen lag – im November fand die Eröffnung der fünf statt. Nach der ersten großen Aktion in der fünf baute ich mir meinen Arbeitstisch auf und richtete mir eine Atelierecke ein. Das war ein schönes Gefühl! So viel Platz und Licht! Nach all den Monaten saß ich endlich mal allein und mit etwas Ruhe und Zeit in der fünf. Raum, um Reflexionen und den Lauf der Sonne wahrzunehmen, das rege Leben vor dem Schaufenster und … oh Schreck, mein Skizzenbuch ist fast voll!
Inspiriert von Klees freien Strichwesen und einer alten Insekten-Druckplatte (die ich beim Aufräumen wiederentdeckte) füllte ich die erste Seite im Skizzenbuch mit eigenen Kreaturen. Zwischen den Strichtänzen ohne komplizierte Konzepte, eher ein automatisches Zeichnen, tummeln sich bereits die Figuren, die ich dann später auch druckte. Also hätte ich an dieser Stelle aufhören können …


Kleines Experiment mit Milchtüte und Tiefdruckpresse
Obwohl mir die Skizzen schon gut gefielen, musste ich das Fundstück mit Insekt auf Milchtüte probedrucken. Ich habe keine Erinnerung daran, wann ich das Insekt wo und warum gestaltet hatte. Mit meiner umfunktionierten Tiefdruckpresse versuchte ich mein Glück. Allerdings war die Milchtüte wohl schon etwas zernudelt, in Serie kann ich mit dem Insekt nicht mehr gehen. Ich liebe Milchtüten-Tiefdruck, mein Bauchgefühl war jedoch nicht zufrieden. Die lebendigen Zeichnungen aus meinem Skizzenbuch wollte ich nicht steif nach Vorlage drucken. Wie könnte ich druckend zeichnen und lauter Unikate schaffen?



Vertiefende Skizzen – Motivfindung in Serie
Druckreif waren meine Entwürfe noch nicht, daher griff ich diesmal zu Pinsel und Aquarellfarbe und suchte mir Engel aus meinem ersten Versuch heraus und stellte sie einzeln in Variationen dar. In der Wiederholung fand ich meine Engelwesen, die sich für den Druck eigneten.
Ton-in-Ton ist eine Kombi, zu der ich immer wieder gern greife, wenn ich mich harmonisch meinem Ziel nähern möchte. Wenn ich noch nicht genau weiß, in welche Richtung es geht, ich aber den Weg trotzdem schon mal beschreiten möchte. Also pinselte ich lauter kleine Schaufenster auf die Seite und füllte sie nach dem Trocknen mit Pinselstrichwesen.


Konzept einer bestäubten Annäherung
Ich war zufrieden mit der Anmut der insektualen Lumenhaftigkeit meiner Engelwesen. Mischwesen und Vermittlerinnen zwischen meinem Gedankengarten und der irdischen Botanik. Die Insektenengel sind besonders in der Nähe von Pollinaria zu finden, erklärt sich von selbst! Weiter nach Figuren suchen wollte ich nicht, fühlte mich angekommen. Nun näherte ich mich der Drucktechnik an ….


Glasscheibendruck Farbfindung und Flimmern
Ich trug meine Drucksachen vom Tatelier in die fünf. Zwei Werkstätten zu haben ist toll. Für den Anfang allerdings weiß man nie, welches Werkzeug/Papier/Farbe/etc. an welchem Ort ist. Gefühlt, ist die eine oder andere spezielle Sache nie in dem Raum, in dem man gerade ist.
Die Drucktechnik war eigentlich von Anfang an klar. Paul Klee hat sie gern angewandt. Und ich liebe sie noch mehr, als den Milchtütendruck. Also begann ich die ersten Versuche direkt von der Glasscheibe zu drucken. Weiß stellte sich als sehr ungünstig heraus, die Linoldruckfarbe war zu dünnflüssig. Föhnen und Warten schien mir zu müßig bei einer Auflage von mindestens 30 Stück.
Mit dunkleren Tönen erzielte ich die besseren Ergebnisse, schließlich wechselte ich zu einer zähen Buchdruckfarbe, die hervorragend schmatzte und majestätisch Blau leuchtete. Ich brauchte eine Weile, um die perfekte Farbbeschichtung der Scheibe herauszufinden. Die Probedrucke sind teilweise etwas ungenau und verrauscht, gefallen mir trotzdem sehr gut. Vermutlich spielt das Motiv positiv mit, denn ein Engel muss nicht gestochen scharf erscheinen. Flimmern sie nicht eher? Heißt es nicht so?




Monoprint-Technik für Unikate in Serie
Das Schöne am Glasscheibendruck ist, dass die Druckplatte mit der Zeit immer schöner und vielschichtiger wird. Um meine Engel in Serie zu drucken, habe ich allerdings nur eine kleine Ecke unten rechts auf dem Glas eingewalzt. Nach jedem Druck habe ich die entstandenen Lücken wieder eingewalzt, damit die 24 Drucke die besten Voraussetzungen hatten. Das hat prima geklappt, es gab keinen Fehldruck und jeder Engel hatte eine persönliche Handschrift.

Während des Gestaltens der ATC Engel-Karten, träumte ich vom dritten Tisch, den wir uns unbedingt in naher Zukunft anschaffen müssen. Das Format war ja sehr klein, aber mit allem drum und dran und Sonderdrucke, wurde es dann doch eng mit der Zeit.
Für meine 24er-Serie grundierte ich Aquarellpapiere auf der Gelliplate mit Wischeffekten in Lilatönen. Mehrfach verdichtete ich die Grundmuster und druckte so lange, bis ich zufrieden war. Der Hintergrund sollte hell und nicht zu unruhig sein.


Die Scheibe hatte ich dünn und gleichmäßig mit Buchdruckfarbe eingewalzt. Das Papier lag mit dem Gesicht nach unten auf der Farbschicht. Mit einer Ahle habe ich dann das Motiv auf die Rückseite gezeichnet. Die Rillen, die die Ahle hinterließ, bildeten eine Art Blindzeichnung auf der Rückseite.
Die Grundierten ATCs erhielten vor dem Druck noch je drei goldene Lumen für das Innerste meines Insekten-Engels. Mit goldener Tusche zeichnete ich die Kugeln und hoffte auf schöne Versatzdrucke.


Das Papier zeichnet mit
Das Aquarellpapier lieferte eine eigene Struktur, die die Buchdruckfarbe einlud, unregelmäßige Streumuster mitzudrucken. Kleine unruhige Monoprint-Punkte entstanden. Besonders an der gezeichneten Linie sammelten sie sich wie ein Raster an. Eine Art Engels-Flimmern.



Feinschliff und Trennungs-Gedanken
Jeder Druck anders und doch alle gleich. Wie immer kann ich mir das gerahmt als Serie wunderbar vorstellen. Ein Traum, den ich seit einigen Jahren in jedem Dezember habe. Am Ende werden die Werke jedoch signiert, nummeriert, verpackt und verschickt. In 23 + x Himmelsrichtungen. Ich nehme mir jedes Mal vor, mir irgendwann (schon sehr bald) selbst eine so große Serie zu gestalten.
Das Drucken war schön. Und ja, ich kann voller Freude das scheinbar immer Gleiche in hoher Auflage zeichnen. Aber die Rückseite … hatte ab einem gewissen Zeitpunkt eine einschläfernde Wirkung auf meine rechte Hand.
Die Wortspiele kommen immer wie von selbst – gesegnet sei mein Name, der sich für allerlei Schabernack eignet. TabEngel nach KleEngel! Als Nummer 19 hatte ich reichlich viel Zeit für diese Aktion und wie ihr am Datum erkennen könnt, gelingt es mir trotzdem immer wieder, erst ein bis zwei Tage vor Liefertermin fertig zu werden. Trotz Weihnachtspostgeschäft sind die geflügelten Wesen pünktlich am 19. Dezember in den Briefkästen der Teilnehmerinnen gelandet.


Sonderpöste als Dankeschön für so viel Post
Für Sonderpöstchen habe ich einige etwas zu unruhig geratene Drucke mit Gold eingewischt und ebenfalls beengelt. Ich habe soooo viele Engelskärtchen von den Teilnehmerinnen erhalten, so um die 80 Stück, dass ich einigen liebe Postkünstlerinnen gern antworten wollte. Dazu hat sich bei mir von Jahr zu Jahr immer mehr Tauschpost ergeben. Also habe ich mehr als 40 Briefe verschickt.



Kolorierter Bildbrief in Serie
Ein Bildbrief als Anschreiben durfte nicht fehlen. Ich habe ihn per Laserdrucker vervielfältigt und koloriert. Vermutlich bei Dunkelheit, denn es gibt keine Fotos davon. Die Bildbriefe schreibe ich aus dem Bauch heraus. Es gibt keine Skizzen oder Planungen im Voraus. Nicht weil die Zeit fehlt, sondern, weil das schon immer mein Wunsch war, losgelöst von Perfektion und Planung die Dinge zu vertauschen. Schrift zu zeichnen und Zeichnungen zu schreiben und alles miteinander zu verbinden. Wie soll man das planen, ohne die Freude daran zu verlieren? Klar kann ein Brief geplant werden, allerdings ist das Schreiben eines Briefes für mich etwas Unmittelbares und Spontanes.


Die Grundierung des Briefes mit Läusekamm war an dieser Stelle etwas überambitioniert. Läusekamm ja, aber nicht unter einem Bildbrief. Das Ganze ließ sich schlecht Scannen und Drucken und musste stark nachbearbeitet werden. Wobei es mir schon sehr gefallen hat, wie die Buchstaben über die Furchen gestolpert sind.
Das Verpacken ist ein wunderbarer Moment. Alles kommt zusammen und macht sich auf den Weg. Die Umschläge habe ich sehr brav gestaltet, gut lesbar für gewisse Sortier-Maschinen. Sie sollten ja nicht meinetwegen ihre Zahnräder verlieren und das System kurz vor Weihnachten zur Eskalation führen.



Kürzlich wurden die Listen zur Frühlingspost verschickt und ich freue mich auf eine neue Aktion! Die Engelsgeschichte geht noch ein bisschen weiter, aber darüber erzähle ich in einem anderen Post.
Kreative Grüße von Tabea und danke für dein Interesse



Sehr spannend sind die beiden Ideen mit dem Glasplattedruck (Huch, gerade habe ich selbst eine in der Küche im Gebrauch für einen Linoldruck) und dem Läusekamm (Huch, zum Glück muss ich den nicht gerade bei meinen Hasen anwenden).
Hach, wie schön, deine Engelgeschichte! Ich könnte eintauchen in deine schönen Fotos und Skizzen. Ich hätte gerne die Seite aus deinem Skizzenbuch als Riesenplakat. Danke, dass du die Engel noch zeigst, bevor die Elemente alles überwalzen.
Ganz liebe Grüße
Michaela
Liebe Conny, schön dass du virtuell vorbeischaust! Vielleicht leihst du dir den Kamm mal aus, bei deinen Hasen 🙂 Oder du nimmst meinen und schaust mal in der fünf vorbei!
Liebgruß von Tabea
Huhu Michaela
Ja genau, das war mein Plan 🙂 Engel vor den Walzen! Wobei in meinen Schubladen noch so einige Postkünste liegen, die es alle verdient hätten, »vor den Walzen« gepostet zu werden. Ich hole das nun an dem einen oder anderen Mittwoch nach.
Welche Seite meinst du? Vielleicht drucke ich mal eine Postkarte für den Anfang. Steht auf meiner Agenda!
Bis dennen . Tabe